Evonik-Poker: RAG-Stiftung könnte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen

Markets and NewsEvonik-Poker: RAG-Stiftung könnte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen

Gastbeitrag von Dirk Sammüller, Head of Portfoliomanagement bei Capio Capital und Fondsberater des Greiff Special Opportunities

Vorbemerkung der Redaktion: Evonik hat ein erstes Übernahmeangebot von BASF nach übereinstimmenden Berichten von Financial Times und Reuters als zu niedrig zurückgewiesen. Weder BASF noch Evonik oder die RAG-Stiftung haben die kolportierte Gebotshöhe bestätigt. Dirk Sammüller verantwortet mit dem Greiff Special Opportunities einen Fonds, der gezielt in Übernahme- und Sondersituationen investiert. Im folgenden Gastbeitrag ordnet er die Rolle der RAG-Stiftung als Großaktionärin ein. Der Text gibt die Einschätzung des Autors wieder.


Mit einer ersten Übernahmeofferte von 22,15 Euro je Aktie ist der Chemiekonzern BASF beim Konkurrenten Evonik zwar offenbar abgeblitzt. Aber mit dem Gebot hat der Prozess erstmals eine Zahl. BASF bietet eine Prämie von 28,5 Prozent auf den unbeeinflussten Evonik-Aktienkurs, bleibt damit aber knapp unter der Dividendenparität von 22,41 Euro.

26 Cent fehlen zur Parität

Die Absage ist weniger ein Scheitern als ein Eröffnungsspiel, denn BASF sendet mit dem Barangebot ein klares Signal der Ernsthaftigkeit. Der Preis ist allerdings gleichzeitig der Haken. Entscheidend für die RAG-Stiftung dürfte die sogenannte Dividendenparität sein. Sie ergibt sich aus dem Verhältnis der zuletzt gezahlten Evonik-Dividende von 1,00 Euro zur BASF-Dividende von 2,25 Euro. Daraus errechnet sich ein Umtauschverhältnis von 0,444 BASF-Aktien je Evonik-Aktie. Beim aktuellen BASF-Kurs von 50,42 Euro entspricht das einem Wert von 22,41 Euro. Es fehlen also lediglich 26 Cent zum bislang kolportierten Angebotspreis.

RAG-Stiftung will ohnehin reduzieren

Für die RAG-Stiftung als größten Aktionär mit einem Evonik-Anteil von rund 44 Prozent ist letztlich entscheidend, dass sie ihre Verpflichtungen auskömmlich bedienen kann. Die Stiftung finanziert aus den Erträgen ihres Vermögens die Ewigkeitsaufgaben des deutschen Steinkohlenbergbaus. Gleichzeitig beabsichtigt sie ohnehin, ihren Evonik-Anteil langfristig auf eine Sperrminorität von 25,1 Prozent zu reduzieren. Dieser Abbau soll schrittweise und marktschonend erfolgen, etwa über Block- oder Teilverkäufe sowie bereits platzierte Umtauschanleihen, die zwischen 2028 und 2030 in Evonik-Aktien getauscht werden können.

Offerte zwischen 23 und 25 Euro wahrscheinlich

Kommt es zu einer Einigung mit Ludwigshafen, könnte die RAG-Stiftung damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie würde ihren ohnehin geplanten Rückzug bei Evonik auf einen Schlag erheblich vorantreiben und wäre zugleich mit rund zehn Prozent an einem neuen Chemieriesen beteiligt. Dafür muss allerdings der Preis stimmen. Eine Nachbesserung in Richtung 23 bis 25 Euro wäre der naheliegende nächste Schritt. Darüber wird die Luft dünner. Die Übernahmewahrscheinlichkeit taxieren wir aktuell bei 60 Prozent.

Über den Autor

Dirk Sammüller ist Head of Portfoliomanagement bei der Capio Capital GmbH, dem Fondsberater des Greiff Special Opportunities. Gemeinsam mit Thomas Einzmann, Head of Research, hat er vor mehr als 20 Jahren den Greiff Special Situations Fund aufgelegt. Der Greiff Special Opportunities investiert in deutsche und europäische Aktien mit Event-Katalysatoren wie Übernahmen, Spin-offs oder Squeeze-outs. Die Greiff capital management AG ist ein bankenunabhängiger, inhabergeführter Asset Manager mit einem Fondsvermögen von über 2 Milliarden Euro.

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.