Ausblick auf das zweite Halbjahr 2026
Die globale Wirtschaft bleibt widerstandsfähig, gestützt durch Investitionen in künstliche Intelligenz und strategische Autonomie. Im Verlauf des Jahres wird sich zeigen, wie Volkswirtschaften, politische Akteure und Märkte Schocks verkraften. Dabei ist mit ungleichmäßigem Wachstum, schwankender Inflation und zunehmender Bedeutung politischer Risiken zu rechnen. Finanzpolitischer Spielraum ist begrenzt, während steigende Ausgaben verstärkte Zinsvolatilität nahelegen.
Basisszenario: Fragile Deeskalation und KI-Verbreitung
Eine fragile Deeskalation der Spannungen in der Straße von Hormus wird erwartet, mit Ölpreisen zwischen 80 und 90 US-Dollar pro Barrel bis Jahresende. Eine schrittweise Neubewertung dürfte helfen, eine Rezession zu vermeiden, obwohl die Wachstumsprognosen gesenkt wurden. Zentralbanken könnten wegen geopolitischer Risiken und anhaltend hoher Inflation verstärkt auf Inflationsbekämpfung setzen. Die Federal Reserve und die großen Schwellenländer-Zentralbanken werden ihre Zinsen voraussichtlich stabil halten, während EZB, Bank of England und Bank of Japan noch leichte Zinserhöhungen vornehmen könnten.
Alternativszenarien und Risiken
Im Negativszenario könnten makroökonomische Schocks durch ein Scheitern des Nahost-Abkommens oder eine KI-Sektorkorrektur zu höherem Inflationsdruck und Rezessionsrisiken führen. Das Positivszenario sieht eine klare Wiederöffnung der Meerenge vor, verbunden mit Desinflation, höherem Vertrauen und einem Ausweitungseffekt im KI-Zyklus.
Strategische Empfehlungen für Anleger
In einem Umfeld mit volatilen Inflationsraten und geopolitischen Unsicherheiten empfiehlt sich eine selektive Risikoallokation statt defensivem Rückzug. Risikoexposure sollte verstärkt auf Carry, robuste Unternehmensgewinne, Preissetzungsmacht, Liquidität und Diversifikation setzen. Langfristige Wachstumschancen ergeben sich besonders durch strategische Autonomie, geopolitische Neuausrichtung und den Einsatz von KI in der realen Wirtschaft.
- Anleihen: Attraktive Erträge bei gleichzeitigem Inflations- und Fiskalrisiko. Fokus auf regionale Flexibilität, speziell Europa, inflationsgebundene Anleihen und solide, hochqualitative Investment-Grade-Anleihen mit gutem Carry.
- Aktienmärkte: Breitere Diversifikation über Sektoren und Länder, um Konzentrationsrisiken zu reduzieren. Chancen entstehen entlang der Wertschöpfungskette von KI in Branchen wie Energie, Infrastruktur, Hardware, Software und Robotik. Europa profitiert von Investitionen im Bereich strategische Autonomie, während Japan durch langfristige Fundamentaldaten gestützt wird.
- Schwellenländer: Selektive Chancen durch Kapitalrotation, mit Vorlieben für Rohstoffexporteure und Technologietreiber in Asien. Neutralität gegenüber China, positive Einschätzung für Indien trotz Ölpreisschocks.
- Hedging: Neue Ausrichtung erforderlich, da traditionelle Korrelationen sich verändern. Realwerte wie Infrastruktur und Private Debt, Gold, Rohstoffe sowie ausgewählte Währungen gewinnen an Bedeutung. Prognostiziert wird ein anhaltender Abwärtstrend des US-Dollars gegenüber den meisten Währungen, insbesondere rohstoffgebundenen.
Fokus auf nachhaltige und diversifizierte Portfolios
Anleger sollten stark diversifizierte Portfolios anstreben, die unterschiedliche Szenarien abdecken können. Neben Branchen- und Währungsdiversifikation empfiehlt sich eine strategische Gewichtung von Sachwerten und Gold. Die Portfolios sollen technologischen, geopolitischen und physischen Risiken durch eine breite Streuung begegnen, um robust gegenüber Schwankungen zu bleiben.
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