Der erste MetaDiskurs von BayernLB Research: Geopolitik trifft Metaverse

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Mit dem ersten MetaDiskurs hat BayernLB Research ein neues Veranstaltungsformat eröffnet, das inhaltlich wie technisch Neuland betritt. Rund 25 geladene Kundinnen, Kunden und Mitarbeitende der Bank trafen sich nicht in einem Konferenzraum, sondern als Avatare in der Enterprise-Metaverse-Plattform RAUM. Diskutiert wurde per VR-Headset über eines der bestimmenden Themen unserer Zeit: Geopolitik als Risiko und als Chance für Unternehmen. Das Event wurde live auf YouTube gestreamt und steht dort als Replay zur Verfügung.

Ein Format, das seine These selbst demonstriert

Dr. Jürgen Michels, Chefvolkswirt der BayernLB, eröffnete den Abend und übergab zunächst an Gerald Kottmann von der Geschäftsmodell- und Markenberatung Alice to Bob, die das Event konzipiert und umgesetzt hat und die BayernLB seit Jahren bei Metaverse-Projekten begleitet.

Kottmann räumte in seiner Einführung mit verbreiteten Missverständnissen auf. Das Metaverse sei kein Produkt der Firma Meta, sondern ein Sammelbegriff für digitale 3D-Plattformen, präziser gefasst unter dem Begriff Extended Reality (XR) mit seinen drei Ausprägungen Virtual Reality, Augmented Reality und Mixed Reality. Die Schlagzeile „The Metaverse is dead“ bezeichnete er als Clickbaiting: Sie beziehe sich fast ausschließlich auf das Consumer-Segment, während Enterprise- und industrielle Anwendungen längst produktiv im Einsatz seien. Als Belege nannte er BMW mit rund zwei Dutzend VR-Anwendungen in der Fahrzeugentwicklung, SAP mit einem global gesteuerten virtuellen Ausbildungszentrum und die Lufthansa, die die Schulungen für ihre neue Kabinengeneration Allegris ins Metaverse verlegt und damit einen Großteil der bisherigen physischen Trainingskosten eingespart hat.

Das Ziel der erweiterten Realität, so Kottmann, sei nicht, die physische Realität zu kopieren oder zu ersetzen, sondern sie zu erweitern. Wie das konkret aussieht, zeigte er direkt im Raum: ein begehbares, noch nicht gebautes Badezimmer aus BIM-Daten für die Immobilienwirtschaft, ein per Gaussian Splatting gescannter realer Tisch als fotorealistisches 3D-Objekt, ein dreidimensional begehbares Beteiligungsmodell eines Großkonzerns für die Kreditanalyse und ein Zinsstrukturgebirge, an dem Dr. Michels die Verwerfungen der Finanzkrise und die Negativzinsphase plastisch nachzeichnete. Nebenbei lieferte Kottmann eine geopolitische Fußnote: Die führenden Handscanner für Gaussian Splatting kommen heute aus China, während die deutsche Scanindustrie beim Tempo nicht mithält.

Geopolitik als Chance: das Panel mit Dr. Timo Blenk

Im Anschluss diskutierte Dr. Jürgen Michels mit Dr. Timo Blenk, Gründer und CEO der Beratung Agora Strategy, über die geopolitische Lage und ihre Konsequenzen für Unternehmen. Blenks Ausgangsbefund: Der Wandel in den internationalen Beziehungen ist fundamental, und der geopolitische Wettbewerb wird maßgeblich über Technologie ausgetragen.

Als aktuelles Beispiel verwies er auf die zeitweise gesperrten Zugänge zu den neuesten KI-Modellen von Anthropic und OpenAI, die europäische Unternehmen unmittelbar getroffen hatten, während manche US-Firmen weiter Zugriff behielten. Modellverfügbarkeit ist damit keine technische Eigenschaft, sondern eine politische Variable, wie wir es bereits in unserem Beitrag zur Rückkehr von Anthropics Fable analysiert haben. Blenk identifizierte fünf Bereiche, in die in den USA derzeit das meiste Kapital fließt: KI, Cyber, Biopharma, Defense und Space inklusive Materialwirtschaft. In drei dieser Felder, Weltraum, Materialwirtschaft und Pharma, sieht er Europa grundsätzlich gut aufgestellt.

Seine Kernbotschaft war dabei betont unternehmerisch: Geopolitische Krisen fallen nicht vom Himmel, sie sind antizipierbar. Ein Unternehmen, das auch nur einen Euro mehr in Resilienz investiert als der Wettbewerber, gewinnt in der Krise Marktanteile. Wer den Mut hat, Substitutionsforschung zu fördern, etwa bei alternativen Materialien oder Batterietechnologien jenseits chinesischer Lieferketten, verschafft sich strategische Vorteile. Und Unternehmen sollten gegenüber der Politik hörbar werden, weniger über Verbände als mit eigener Stimme.

Auf die Frage nach der europäischen Verhandlungsposition gegenüber den USA und China verwies Michels auf Kaufkraft und Kapitalexport als Hebel, die allerdings glaubwürdige Drohpunkte erfordern. Blenk ergänzte eine oft übersehene Entwicklung: die Verdichtung europäischer Freihandelsbeziehungen mit Indien, Mercosur, ASEAN-Staaten und Australien. Es sei, in den Worten des kanadischen Premierministers, die „Hour of the Middle Powers“, und genau dort entstünden neue Märkte, deren Erschließung Agora Strategy zuletzt so häufig begleitet habe wie nie zuvor.

Auf der kurzfristigen Risikokarte nannte Blenk den weiterhin hochvolatilen Nahen Osten mit seinen kritischen Rohstoffen für die Halbleiter- und Raumfahrtindustrie, maritime Chokepoints wie die Straße von Malakka sowie die zunehmend instabile Türkei als unterschätzten Faktor für die deutsche Industrie. Beim russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erwartet er auf absehbare Zeit keinen Waffenstillstand, verwies aber zugleich auf das ukrainische Know-how in den Bereichen Cyber, Tech und Drohnen, an dem sich bereits Kooperationen etwa mit Rheinmetall orientieren.

Diskussion auf Augenhöhe, auch aus dem Publikum

Dass das Format funktioniert, zeigte nicht zuletzt die Publikumsrunde. Wolfgang Engel, General Manager des Institute of International Finance für die Region Middle East & Africa, adressierte die Verzahnung von ziviler und militärischer Resilienz. Blenk nutzte die Frage für ein Plädoyer für geostrategisches Denken in Unternehmen wie Gesellschaft: Deutschland sei nicht mehr nur von Freunden umgeben, und Sicherheitspartnerschaften wie jene mit Japan und Australien würden erst dann mit Leben gefüllt, wenn Unternehmen sie durch Investitionen, Datenaustausch und Marktpräsenz konkretisieren.

Zum Abschluss lud Dr. Michels die Avatare zum virtuellen Umtrunk in die Innotech-Umgebung, wo die zuvor gezeigten 3D-Modelle in Originalgröße begehbar waren. Der Dank des Gastgebers galt Gerald und Katrin Kottmann von Alice to Bob sowie Florian Ernst aus dem Eventmanagement der BayernLB.

Einordnung

Der erste MetaDiskurs von BayernLB Research zeigt, wie sich institutionelle Finanzkommunikation weiterentwickeln kann: Ein Research-Haus diskutiert Geopolitik nicht nur inhaltlich, sondern wählt bewusst eine Technologie als Bühne, die selbst Gegenstand geopolitischer Auseinandersetzung ist. Das Event bestätigt damit eine Entwicklung, die wir in unserem Beitrag Finance XR: Wie immersive Technologien im Finanzsektor vom Experiment zur Anwendung werden beschrieben haben. Die Verbindung aus fachlicher Tiefe, immersiver Präsenz und niedrigen Teilnahmehürden ohne Reiseaufwand macht das Format zu einem bemerkenswerten Usecase für die Zukunft von Kundenveranstaltungen im Finanzsektor.

Das Replay des Events ist auf YouTube verfügbar: https://www.youtube.com/live/CgeuPkHKRCk

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.