Aktien versus Bonds: Eine differenzierte Betrachtung
Die Behauptung, dass Anleger am deutschen Markt stets besser fahren, wenn sie immer Aktien statt Anleihen kaufen, ist nicht korrekt. Insbesondere gegen Ende von Haussephasen konnten Aktienanlagen sehr teuer werden, da starke Korrekturen mit Rückgängen zwischen 7 und 58 Prozent folgten. Dieses Muster zeigt sich nicht nur in Deutschland, sondern auch am US-Aktienmarkt.
Muster der Hausse- und Baissephasen
Haussephasen dauerten in Deutschland meist fünf bis sechs Jahre, bevor ein Abschwung folgte. Sollte sich dieses Muster fortsetzen, könnte der Aktienmarkt innerhalb der nächsten zwei Jahre unter Druck geraten. Die besten Kaufgelegenheiten ergaben sich typischerweise gegen Ende der Baissephasen, wenn die Stimmung besonders negativ war.
Langfristige Performance im Vergleich
Über den betrachteten Zeitraum lag die durchschnittliche jährliche Rendite deutscher Aktien bei nominal 8,1 %, während Bundesanleihen 3,9 % erzielten. Daraus ergibt sich eine Risikoprämie von knapp über vier Prozentpunkten zugunsten der Aktien. Anleger, die erst im letzten Jahr der Hausse einsteigen, profitieren jedoch nicht von dieser Prämie. Diese Werte sind nominal und enthalten einen Inflationsanteil.
Die Inflation in Deutschland lag im Durchschnitt bei 2,1 % pro Jahr, wodurch insbesondere bei Anleihen die reale Rendite deutlich eingeschränkt war. In den USA ist die Aktienperformance (11,4 % jährlich nominal) höher als in Deutschland (8,1 %), was sich nicht nur durch unterschiedliche Inflationsraten erklären lässt. Die höhere Gewinnentwicklung und Indexzusammensetzung der US-Unternehmen führten zu dieser Outperformance.
Risiken und Risikoprämien von Aktien gegenüber Anleihen
Aktien tragen zwei wesentliche Risiken: Erstens können Unternehmen insolvent werden und damit Verluste für Aktionäre verursachen. Zweitens schwanken Aktienkurse deutlich stärker, was eine unsichere Wiederverkaufsmöglichkeit zur Folge hat. Anleihen hingegen, insbesondere Bundesanleihen, gelten als stabiler, wodurch Anleger geringere Renditen akzeptieren.
Diese Risiken rechtfertigen die höhere Risikoprämie von Aktien. Langfristig belohnt der Markt grundsätzlich die Übernahme von Risiken mit höheren Renditen, dies setzt jedoch ein angemessenes Timing und Marktverständnis voraus.
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