Finanzinstitute in der Schweiz und in Liechtenstein halten Stablecoins und tokenisierte Fonds für die wichtigsten Blockchain-Trends der nächsten Jahre. Eigene Angebote plant die Mehrheit trotzdem nicht, wie der Blockchain Pulse Survey 2026 der Universität St. Gallen zeigt. Für Asset Manager, die tokenisierte Fondsanteile vorbereiten, ist das ein wichtiger Befund zum Vertrieb über Banken.
Wo Erwartung und Angebot auseinanderliegen
Die Studie ist eine gemeinsame Initiative des Center for Financial Services Innovation der Universität St. Gallen mit ACK, mintminds, PwC und vision&. Zwischen dem 18. Juni und dem 28. August 2026 nahmen 25 Institute teil, darunter elf Retailbanken und zehn Privatbanken. Die Stichprobe ist klein, die Ergebnisse sind daher als Stimmungsbild zu lesen.
Der Befund ist dennoch deutlich. 80 Prozent der Befragten nennen die Verbreitung von Stablecoins und digitalem Zentralbankgeld als führenden Markttrend der nächsten drei bis fünf Jahre. Zugleich planen 60 Prozent kein eigenes Angebot für Stablecoins oder Abwicklung, bei tokenisierten Vermögenswerten sind es 64 Prozent (Stand: Erhebung Sommer 2026). Etabliert ist dagegen das Kryptogeschäft, vor allem Verwahrung und Handel.
Langfristig bleibt die Überzeugung stabil: Der Anteil der Institute, die der Blockchain hohes Potenzial zuschreiben, liegt auf dem Niveau des Vorjahres. Kurzfristig sind die Befragten dagegen deutlich vorsichtiger geworden. Die beteiligten Autoren sehen in dieser wachsenden Lücke das prägende Muster der Ausgabe 2026, wie PwC Schweiz zusammenfasst.
Warum die Institute zögern
Die Hürden sind vor allem wirtschaftlicher und organisatorischer Art, technische Gründe spielen eine geringere Rolle. 63 Prozent der Institute vermissen eine strategische Priorisierung oder einen tragfähigen Business Case. Häufig genannt werden außerdem geringes Kundeninteresse und regulatorische Anforderungen.
Auffällig ist ein Widerspruch bei den Motiven. Fast alle Institute begründen ihre Blockchain-Initiativen mit Wachstum, Neukunden oder der Bindung bestehender Kunden, deutlich mehr als im Vorjahr. Ob die Kunden diese Angebote tatsächlich nachfragen und ob sie sich rechnen, ist aber offen. Zudem bewertet nur eine kleine Minderheit den sich entwickelnden Schweizer Rechtsrahmen bereits positiv.
Was das für Asset Manager bedeutet
Für Fondsanbieter ist der Befund relevant, weil Banken zentrale Vertriebs- und Verwahrstellen sind. Nach unserer Einschätzung bleibt die Reichweite tokenisierter Fondsanteile begrenzt, solange Banken dafür keine Infrastruktur bereitstellen. Das betrifft besonders Retail- und Privatbanken, die den Großteil der Stichprobe stellen.
Die Studie zeigt zudem, dass fast alle geplanten Dienste mit externen Partnern entstehen sollen. Für Technologieanbieter und Fondsplattformen eröffnet das Kooperationen. Die Banken selbst müssen dabei Integration, Risikoaufsicht und die Steuerung ihrer Anbieter beherrschen. Wer tokenisierte Anteile auflegt, sollte den Vertriebsweg deshalb früh mit Depotbanken und Plattformen klären.
Offen bleibt, ob sich die Lücke schließt, sobald der regulatorische Rahmen für Stablecoins in der Schweiz feststeht. Die nächste Ausgabe der Studie wird zeigen, ob aus der Erwartung messbare Angebote werden.
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