Boerse Stuttgart erhält DLT-Lizenz: Was Seturion für Banken ändert

Digital Investing and CryptoBoerse Stuttgart erhält DLT-Lizenz: Was Seturion für Banken ändert

Die Boerse Stuttgart Group hat als erste Börsengruppe Europas eine Lizenz für ein DLT-Handels- und Abwicklungssystem erhalten. Damit bekommt ihre Settlement-Plattform Seturion die regulatorische Grundlage für den Betrieb in der EU. Banken, Broker und Handelsplätze müssen nun klären, ob sie tokenisierte Wertpapiere über diese gemeinsame Infrastruktur abwickeln wollen.

Was die Lizenz erlaubt

Die BaFin hat die Erlaubnis nach einem gemeinsamen Verfahren mit ESMA und EZB erteilt. Das teilte die Gruppe am 20. Oktober 2026 mit. Grundlage ist das DLT-Pilotregime der EU, das seit März 2023 gilt. Eine DLT-TSS-Lizenz deckt Handel und Abwicklung auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie in einer Einheit ab.

Seturion unterstützt öffentliche und private Blockchains. Abgewickelt wird gegen Zentralbankgeld oder gegen Geld auf der Blockchain, etwa Stablecoins. Handelsplätze, die sich anbinden, können tokenisierte Wertpapiere handeln, ohne selbst eine DLT-Lizenz zu beantragen. Das senkt die Einstiegshürde für etablierte Börsen und multilaterale Handelssysteme.

Warum das die europäische Abwicklung betrifft

Die Wertpapierabwicklung in Europa ist bis heute national organisiert. Grenzüberschreitende Geschäfte laufen über mehrere Zentralverwahrer und Zwischenstellen, das kostet Geld und Zeit. Seturion soll diese Silos mit einer gemeinsamen digitalen Abwicklungsschicht überbrücken.

Die Gruppe beziffert die mögliche Kostenersparnis für angebundene Banken und Broker auf bis zu 90 Prozent (Unternehmensangabe, Stand Oktober 2026). Unabhängig belegt ist diese Zahl bislang nicht. Laut Seturion braucht die Abwicklung keinen Zentralverwahrer. Die Wertpapiere bleiben in den Wallets der Teilnehmer, für Depotbanken dürfte sich die Rolle damit hin zur Verwahrung digitaler Bestände verschieben.

Das Projekt hat gewichtige Partner. Die Zusammenarbeit mit Nasdaq ist seit März 2026 bekannt. Im Mai kamen flatexDEGIRO, Société Générale und deren Digitaleinheit SG FORGE hinzu. Damit sind neben Handelsplätzen auch eine Emittentenbank und ein großer Online-Broker an Bord.

Die Lizenzklasse selbst ist in Europa nicht neu. Das Frankfurter Fintech 21X hatte die erste DLT-TSS-Lizenz bereits im Dezember 2024 erhalten. Neu ist, dass eine etablierte Börsengruppe mit bestehenden Handelsplätzen und Kunden diesen Weg geht.

Worauf Entscheider jetzt achten

Für Emittenten und Asset Manager bleibt der Rahmen eng. Die Verordnung (EU) 2022/858 lässt nur Aktien, Anleihen und OGAW-Anteile bis zu bestimmten Größenschwellen zu. Insgesamt darf eine DLT-Infrastruktur Instrumente im Wert von höchstens sechs Milliarden Euro erfassen. Einen Termin für den operativen Start nennt die Gruppe in ihrer Mitteilung nicht.

Nach Einschätzung von altii entscheidet weniger die Technik über den Erfolg als die Liquidität. Seturion braucht genug Emittenten, die tokenisierte Instrumente auflegen, und Handelsteilnehmer, die sie nachfragen. Offen ist auch, wie die EU das Pilotregime weiterentwickelt. Davon hängt ab, ob tokenisierte Abwicklung den Schritt aus der Nische in den breiten Kapitalmarkt schafft.

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.