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Beträchtliche Wertchancen im Infrastrukturmarkt

OpinionsBeträchtliche Wertchancen im Infrastrukturmarkt

Globale Infrastrukturaktien waren in den letzten 12 bis 18 Monaten ein schwieriges Terrain für Investitionen. In den kommenden 1-3 Jahren sieht First Sentier Investors hier jedoch erhebliches Wertsteigerungspotenzial. „Infrastrukturwerte haben Qualitäten, die von Anlegern häufig gesucht werden. Dazu gehören eine attraktive und steigende Dividendenrendite sowie die Teilhabe an langfristigen Wachstumsthemen“, schreibt Peter Meany, Head of Global Listed Infrastructure bei First Sentier Investors, in einem aktuellen Marktkommentar. Börsennotierte Infrastrukturunternehmen werden derzeit im Vergleich zum breiten US-Markt auf sehr attraktiven Niveaus gehandelt.

Infrastrukturaktien hatten mit Gegenwind zu kämpfen

Die Zinssätze sind erheblich gestiegen, wobei die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen in den letzten zwei Jahren deutlich von unter 2 % auf über 4 % gestiegen sind. Der Infrastrukturspezialisten von First Sentier Investors erklärt: „Infrastrukturanlagen haben in der Regel eine lange Laufzeit und einen relativ hohen Verschuldungsgrad, so dass die Auswirkungen auf die Bewertung real sind.  Die Inflation wird jedoch in der Regel durch Preiserhöhungen aufgefangen, und da die Schulden weitgehend abgesichert sind, sind die Auswirkungen auf den Cashflow begrenzt – oft sogar positiv.“ Hierauf reagierten Infrastrukturunternehmen, indem sie ihren Verschuldungsgrad durch freien Cashflow und den Verkauf von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vermögenswerten an Privatmärkte verringerten.

Einen weiteren Grund für die aktuell moderate Bewertungen der Anlageklasse sieht Meany darin, dass Anleger Technologie- und Wachstumstiteln gegenüber defensiven Werten den Vorzug gegeben haben. Er merkt an, dass US-Technologiewerte durch die künstliche Intelligenz einen massiven Auftrieb bekamen und dass die Wirtschaft weiterhin durch staatliche Anreize gestützt wird. Doch der Head of Infrastructure Investments bei First Sentier Investors warnt: „Wir waren schon einmal an diesem Punkt und es ist auch dieses Mal nicht anders. Auch wenn der Zeitpunkt und die Katalysatoren für einen Realitätscheck unklar sind, sollten Anleger noch einmal über die Argumente für defensive Werte nachdenken – der Wert und das Wachstum könnten überraschen.“

US-Versorger – Dekarbonisierung und Rechenzentren treiben Gewinnwachstum

Wir sind der Meinung, dass der Markt den Sektor der US-Versorger zu kurzfristig betrachtet hat und dass sich die Gelegenheit bietet, sich in ein langfristiges, strukturelles Wachstumsthema zu einem sehr attraktiven Preis einzukaufen. Die anhaltende Verlagerung von der Kohleverstromung hin zu Windkraft, Solarenergie und Speicherkapazitäten sowie die Notwendigkeit, mehr in Netze und Ausfallsicherheit zu investieren, haben das Potenzial, die Investitionsausgaben großer US-Versorgungsunternehmen wie Dominion Energy, NextEra Energy und Southern Company erheblich zu steigern“, schreibt der Infrastrukturspezialist.

Er erwartet, dass der US Inflation Reduction Act durch eine Reihe von Maßnahmen, die zur Unterstützung des Übergangs weg von fossilen Brennstoffen und hin zu erneuerbaren Energien konzipiert wurden, ebenfalls zu Investitionen anregen dürfte. „Die steigende Nachfrage nach Strom aus Rechenzentren aufgrund des zunehmenden Einsatzes von KI und der zunehmenden inländischen Produktion wird das Gewinnwachstum der US-Versorgungsunternehmen weiter beschleunigen.“ Peter Meany geht davon aus, dass sich das Gewinnwachstum von 2% bis 4% im historischen Durchschnitt auf 5% bis 7% für das nächste Jahrzehnt verschieben wird: „Die staatliche Regulierung unterstützt die umfangreichen Kapitalinvestitionen, und ich erwarte nicht, dass die Präsidentschaftswahlen in den USA die grundlegende Dynamik aufhalten werden.

Mautstraßen als Inflationsschutz

Neben US-Versorgern sehen wir auch bei Mautstraßen das Potenzial erfreulicher Renditen, schreibt Peter Meany. Derzeit ist sein Portfolio in Mautstraßenbetreibern übergewichtet, durch Positionen in Unternehmen wie dem australischen Betreiber Transurban und dem in Frankreich notierten Vinci. Mautstraßenbetreiber profitieren vom wachsenden Verkehrsaufkommen in überlasteten Städten wie Melbourne, Paris Mexiko City oder Sao Paulo. Die Mautgebühren sind oft an die Inflation gekoppelt, was einen Ausgleich zu den höheren Zinssätzen liefert. Der Infrastrukturspezialist ist zuversichtlich: „Neue Projekte werden in Betrieb genommen und der verstärkte Einsatz von Technologie führt zu einer Verbesserung der Margen. Ausgehend von einer Dividendenrendite, die derzeit bei knapp über 5 % liegt, sehen wir das Potenzial, dass die Gesamtrendite in den kommenden Jahren auf über 13 % pro Jahr ansteigt, unterstützt durch ein wachsendes Verkehrsaufkommen, höhere Mautgebühren und Effizienzsteigerungen.“ [s. Grafik]