Marktentwicklung im Juli
Im Juli verliefen die Aktienmärkte uneinheitlich: Während sich europäische Börsen freundlich entwickelten, gaben US-amerikanische und japanische Märkte in Euro gerechnet nach. Ursache war vor allem die deutliche Korrektur bei Halbleiterwerten.
Energie-, Finanz- und Immobilienwerte konnten sich positiv entwickeln. Viele Aktien aus dem Umfeld der Künstlichen Intelligenz (KI) standen jedoch unter erheblichem Druck.
Ausblick für August
Nach starken Kursrückgängen der vergangenen Wochen erscheint die Korrektur im Halbleiterbereich als Marktbereinigung und nicht als struktureller Bruch. Ende Juli wurden an mehreren Tagen historisch hohe Verkaufsvolumina verzeichnet, auch von Privatanlegern.
Fundamental bleiben die großen Betreiber von Cloud- und KI-Infrastruktur jedoch robust. Investitionen in KI erreichen voraussichtlich nach etwa drei Jahren die Gewinnschwelle, mit einer weiteren Ertragsphase von zwei bis drei Jahren.
Verbesserte Lage in Europa
Europäische Aktienmärkte haben wichtige technische Widerstände überwunden, während Gewinnschätzungen steigen. Energie-, Finanz-, Versicherungs- und Industriewerte haben die Erwartungen bislang übertroffen.
Erstversicherer profitieren weiter von hohen Zinsen und günstigen Rückversicherungskonditionen, Rückversicherer dagegen stehen unter anhaltendem Preisdruck.
Zinsumfeld und Risiken
Die US-Zinssätze bleiben anspruchsvoll, mit Renditen zehnjähriger Staatsanleihen nahe 4,7 Prozent. Trotz hoher Kreditbedarfe der Staaten sind zwei Zinssenkungen bis Jahresende eingepreist, deren Realisierung jedoch ungewiss ist.
Das größte kurzfristige Risiko besteht in einer erneuten Yen-Stärke durch mögliche weitere Zinserhöhungen in Japan, was Carry-Trades im Technologiesektor belasten könnte.
Wesentliche Marktaspekte
- Halbleiter und KI-Infrastruktur: Die starke Korrektur wird als Marktbereinigung gesehen. Die Renditeerwartungen rücken in den Fokus, während die grundsätzliche Wirtschaftlichkeit bestätigt bleibt.
- Speicherchips: Koreanische Hersteller sind durch Wettbewerb aus China und Produktionsengpässe belastet. Die Kosten für Speicher machen bis zu 50 Prozent neuer Rechenzentrumskosten aus.
- Anleihen großer Technologiekonzerne: Risikoaufschläge sind gestiegen, während solide Bonitäten erhalten bleiben.
- Chinesische Technologieunternehmen: Technologisch und preislich wettbewerbsfähige chinesische KI-Modelle treffen auf niedrige Bewertungsniveaus bei vielen Unternehmen.
- Gold: Das technische Markt-Sentiment ist niedrig. Gold hält die Marke von 4.000 US-Dollar, unterstützt von Zentralbankkäufen und steigender Staatsverschuldung.
- Saisonalität und Geopolitik: Der US-Präsidentschaftszyklus lässt ab Q3/Q4 positive Effekte erwarten. Eine Entspannung im Nahen Osten oder im Ukraine-Konflikt könnte die Märkte zusätzlich stützen.
- Yen und Carry-Trades: Eine Yen-Aufwertung von 3-5 Prozent gilt als verkraftbar. Starkere Aufwertungen könnten Carry-Trades auflösen und eine Technologiesektor-Korrektur auslösen.
- KI-Investitionen: Eine mögliche Kürzung der Investitionsbudgets großer Cloud- und KI-Anbieter könnte Nachfrage und Halbleitermarkt beeinträchtigen.
- US-Zinsen: Zwei Zinssenkungen sind eingepreist, ihr Eintreten bleibt unsicher. Anhaltend hohe Zinsen könnten Konsum, Immobilienmarkt und Konjunktur dämpfen.
- Wettbewerb durch chinesische KI-Modelle: Fehlt ein US-Verbot, könnte Kostenvorteil chinesischer Modelle den Margendruck auf US-Anbieter erhöhen.
- Geopolitik und Gold: Ein Friedensabkommen in der Ukraine könnte Zentralbankkäufe von Gold vermindern und den Goldpreis belasten.
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