Warum Wachstumsaktien einen neuen Ansatz brauchen

Edition AIWarum Wachstumsaktien einen neuen Ansatz brauchen

Herausforderungen für Wachstumsaktien im aktuellen Marktumfeld

Die vergangenen 15 Jahre nach der globalen Finanzkrise boten idealtypische Bedingungen für Wachstumsaktien. Niedrige Zinsen, moderates Wirtschaftswachstum und der Aufstieg kapitalarmer Geschäftsmodelle, etwa durch mobiles Internet und Cloud-Technologie, ermöglichten einen langanhaltenden Wachstumszyklus, in dem breite Engagements in Wachstums- und Technologieindizes häufig den Gesamtmarkt übertrafen.

Heute ändern sich die Rahmenbedingungen: Strukturell höhere Zinsen erhöhen die Bewertungsanforderungen, geopolitische Konflikte und disruptive Technologien wie künstliche Intelligenz stellen etablierte Geschäftsmodelle vor neue Herausforderungen. Zudem führt die hohe Konzentration im MSCI ACWI Growth Index, in dem die zehn größten Unternehmen über 40 Prozent des Indexgewichts ausmachen, zu zusätzlichen Risiken. Anleger sollten selektiver vorgehen und Unternehmen mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen bevorzugen statt pauschaler Wachstumsengagements.

Künstliche Intelligenz als Wachstumsfeld

Künstliche Intelligenz (KI) bleibt ein zentrales Thema mit erheblichen Investitionen, vor allem von großen Cloud-Anbietern wie Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta, die im Jahr 2026 voraussichtlich über 600 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur investieren. Die wirtschaftlichen Einsatzgebiete von KI sind auf 40 bis 50 Billionen US-Dollar geschätzt, wodurch schon eine begrenzte Marktdurchdringung eine starke Nachfrage nach KI-Anwendungen und Infrastruktur erzeugen kann.

Anleger sollten dabei nicht nur auf bekannte Plattform- oder Halbleiterfirmen fokussieren, sondern entlang der gesamten physischen Wertschöpfungskette Chancen suchen – von Halbleitern über Rechenzentren bis zu Energieinfrastruktur. Mit zunehmender Verbreitung könnten Chancen zudem auf Software, spezialisierte Anwendungen, Robotik und autonome Systeme wachsen.

Wachstumsmöglichkeiten im Gesundheitssektor

Auch der Gesundheitssektor bietet langfristiges Wachstumspotenzial, unterstützt durch Fortschritte in Genomsequenzierung und Datenverarbeitung, die präzisere Therapien für bisher schwer behandelbare Krankheiten ermöglichen. Trotz dieser Innovationskraft haben handelspolitische, regulatorische und politische Unsicherheiten die Bewertungsniveaus von Gesundheitsaktien in den letzten Jahren drücken lassen.

Die Kombination aus wissenschaftlichem Fortschritt, steigendem medizinischem Bedarf und vergleichsweise moderaten Bewertungen macht den Gesundheitssektor attraktiv, wobei auch hier eine sorgfältige Einzeltitelauswahl entscheidend bleibt.

Industriesektor mit strukturellem Wachstumspotenzial

Traditionelle Industriezweige, lange im Schatten kapitalarmer Technologiesektoren, könnten nun durch Technologien und geopolitische Veränderungen eine Renaissance erleben. Elektrifizierung, Automatisierung, Lieferkettenneuordnungen, Ausbau digitaler Infrastruktur, Erholung im Luftverkehr und gestiegene Verteidigungsausgaben bieten langfristige Wachstumsperspektiven.

Dadurch können sich zuvor zyklische Geschäftsmodelle zunehmend zu strukturellen Wachstumsunternehmen entwickeln.

Fazit: Selektivität und differenzierte Analyse entscheidend

Die langfristigen Wachstumsthemen bleiben bestehen, jedoch erfordert das aktuelle Umfeld von höheren Zinsen und geopolitischer Unsicherheit eine stärkere Fokussierung auf belastbare Geschäftsmodelle und nachhaltige Ertragsquellen. Ein breit diversifizierter Bottom-up-Ansatz wird empfohlen, um Chancen über verschiedene Sektoren, Regionen und Unternehmensgrößen zu identifizieren und Abhängigkeiten von einzelnen Themen oder großen Unternehmen zu minimieren.

Innovation bleibt ein bedeutender Renditetreiber, wobei der Erfolg von der gezielten Auswahl jener Unternehmen abhängt, die dauerhaftes und profitables Wachstum generieren können.


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