Zeitwertkonten in Deutschland: Verbreitung und Herausforderungen laut Studie von Fidelity International und Universität Hamburg

Edition AIZeitwertkonten in Deutschland: Verbreitung und Herausforderungen laut Studie von Fidelity International und Universität Hamburg

Verbreitung von Zeitwertkonten in Deutschland

Eine aktuelle Studie von Fidelity International und der Universität Hamburg zeigt, dass Zeitwertkonten trotz wachsender Relevanz im Zuge des demografischen Wandels und des gestiegenen Wunsches nach flexiblen Erwerbsbiografien noch nicht flächendeckend in Deutschland etabliert sind. Von 470 befragten Organisationen mit mehr als 300 Beschäftigten bieten 29,6 Prozent solche Modelle an. Die höchste Verbreitung besteht im öffentlichen Sektor.

Einfluss von Unternehmensgröße und Region

Die Einführung von Zeitwertkonten korreliert stark mit der Größe der Organisation. Während nur 20,9 Prozent der Unternehmen mit 300 bis 999 Beschäftigten Zeitwertkonten anbieten, steigt die Quote bei Organisationen mit 3.000 bis 4.999 Mitarbeitenden auf 38,5 Prozent. Regionale Unterschiede zeigen sich besonders in Hamburg (43,3 Prozent), Berlin (42,3 Prozent), Sachsen-Anhalt (42,9 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (35,1 Prozent).

Nutzungsschwerpunkte von Zeitwertkonten

Zur Nutzung dominieren vorgezogene Übergänge in den Ruhestand mit 36,7 Prozent, gefolgt von Sabbaticals mit 33,1 Prozent. Zeiten für Elternschaft, Pflege und Weiterbildung sind weniger häufig genannte Verwendungszwecke.

Herausforderungen bei der Einführung

Als zentrale Hindernisse für eine breitere Nutzung werden der administrative Aufwand (26,1 Prozent) und fehlende Informationen über Funktion und Nutzen (21,5 Prozent) genannt. Weitere Schwierigkeiten bestehen in Unsicherheiten hinsichtlich Insolvenzschutz, Bilanzierung und organisatorischer Umsetzung.

Ausblick und Empfehlungen

Angesichts der zunehmenden Flexibilisierung von Erwerbsverläufen ist eine stärkere Berücksichtigung von Zeitwertkonten in der Altersvorsorgediskussion zu empfehlen. Eine Modernisierung der Werterhaltungsgarantie könnte den Kapitalmarkt besser einbeziehen und langfristig höhere Renditechancen für Beschäftigte bieten.

Studienmethodik

Die Untersuchung wurde zwischen November 2025 und Januar 2026 durchgeführt und basiert auf einer bundesweiten Befragung von Organisationen mit mehr als 300 Mitarbeitenden. Zeitwertkonten ermöglichen das Ansparen von Zeit- oder Entgeltbestandteilen für individuell gestaltbare Freistellungsphasen während des Erwerbslebens.


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