Was der Affluent Investor Crypto Report 2026 über vermögende Anleger in Deutschland, der Schweiz und Österreich verrät und warum Vermögensverwalter jetzt gefragt sind
Der neue Affluent Investor Crypto Report 2026 von CoinShares zählt nach Angaben des Hauses zu den größten Befragungen vermögender Anleger, die bislang durchgeführt wurden, und widmet sich ausschließlich digitalen Assets. Das Ergebnis für den deutschsprachigen Raum: Krypto ist im Portfolio angekommen, die professionelle Begleitung hinkt noch hinterher. Genau darin liegt eine Chance für Privatbanken, Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter.
Wer befragt wurde
Die Studie wurde von der Strategieberatung Vardaxoglou Advisory gemeinsam mit CoinShares konzipiert. Zwischen dem 11. Mai und dem 5. Juni 2026 nahmen 2.230 Anleger in sieben Märkten an einer Online-Befragung teil: 502 in den USA, je rund 300 in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Schweden sowie 206 in der Schweiz. Für die USA erlaubt ein spiegelbildlich angelegtes Sample den direkten Vergleich mit der Vorjahresbefragung.
Befragt wurden zu gleichen Teilen zwei Vermögensgruppen: Anleger mit mindestens einer Million US-Dollar investierbarem Vermögen sowie Anleger mit 500.000 bis 999.999 US-Dollar. Selbstgenutzte und sonstige Immobilien zählen dabei nicht mit. Voraussetzung war zudem, dass die Teilnehmer aktiv anlegen, also mindestens eine Anlageklasse halten und in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine Transaktion getätigt haben.
Rekrutiert wurden die Teilnehmer über spezialisierte Panels mit Zugang zu vermögenden Anlegern, ihre Angaben zum Vermögen wurden auf Plausibilität geprüft. Wie sehr sich diese Gruppe vom breiten Markt abhebt, zeigt ein Vergleich, den CoinShares bei der Vorstellung zog: Europaweit investieren nach Einschätzung des Hauses etwa 10 bis 15 Prozent der Anleger in digitale Assets, in der Studiengruppe sind es rund 70 Prozent.
Diese Abgrenzung macht den Report besonders wertvoll für die Praxis. Er bildet nicht den durchschnittlichen Sparer ab, sondern eine engagierte, investitionsaktive Anlegerschicht: genau jene Kunden, die Vermögensverwalter heute betreuen oder morgen gewinnen wollen. Die Einbeziehung des Bandes ab 500.000 US-Dollar erfasst zugleich die aufstrebende Spitze der Mass-Affluent-Kundschaft, aus der sich das Private-Banking-Geschäft der kommenden Jahre speist. Gelesen werden sollten die Ergebnisse folgerichtig als präzises Stimmungsbild dieser aktiven Gruppe, nicht als Hochrechnung auf sämtliche vermögenden Haushalte.
Deutschland: selbstbewusst, institutionell orientiert, noch weitgehend unbetreut
CoinShares charakterisiert die deutschen Befragten als „autonome Institutionalisten“, und die Daten tragen diese Beschreibung. 70 Prozent halten bereits digitale Assets, 80 Prozent sehen Bitcoin als verlässlichen langfristigen Wertspeicher. Mit 82 Prozent fühlen sich deutsche Anleger im Marktvergleich am wohlsten mit dem Risiko digitaler Anlagen. 43 Prozent geben an, sich bei eigenständigen Investitionsentscheidungen „sehr wohl“ zu fühlen, deutlich mehr als im europäischen Durchschnitt.
Bemerkenswert ist die Reaktion auf die Marktkorrektur vom Februar 2026, den stärksten Einbruch seit mehreren Jahren. In Deutschland gaben 54 Prozent an, seither eher investieren zu wollen, nur 23 Prozent eher weniger. Das ist der höchste Nettowert aller sieben Märkte. Auch beim langfristigen Renditevertrauen liegt Krypto in Deutschland knapp vor Aktien (35 zu 30 Prozent der Erstnennungen).
Die Motivlage ist dabei ausgesprochen nüchtern. Strategische Gründe wie langfristiger Wertzuwachs und Diversifikation dominieren, spekulative Motive spielen eine Nebenrolle. Auffällig ist zudem der makroökonomische Blick: Strukturelle Veränderungen der Weltwirtschaftsordnung sind für deutsche Anleger der wichtigste Auslöser für Kauf oder Verkauf, noch vor Zinsen und Inflation. Passend dazu machen geopolitische Spannungen zwischen den USA und Europa 66 Prozent der Deutschen eher investitionsbereit, so viele wie in keinem anderen Markt.
Interessant ist das Spannungsfeld beim Zugang. Deutsche Anleger nutzen mit 56 Prozent häufiger als alle anderen direkte Wege über Krypto-Börsen. Zugleich bewerten sie institutionelle Adoption überdurchschnittlich oft als wichtiges Investitionskriterium (46 Prozent gegenüber 33 Prozent im europäischen Schnitt), und bei der Plattformwahl zählen, wie in allen Märkten, Markenvertrauen sowie Sicherheit und Compliance deutlich mehr als niedrige Gebühren. Entsprechend positiv fällt die Reaktion auf den Markteintritt großer deutscher Institute aus: Die Nachricht, dass Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Deutsche Bank regulierte Verwahrung und Handel anbieten, macht 68 Prozent eher investitionsbereit. Dass ein nordrhein-westfälisches Ärzteversorgungswerk 0,5 Prozent seines Vermögens in Krypto investiert, wirkt auf 59 Prozent ermutigend.
Die Lesart liegt nahe: Deutsche Vermögende haben sich den Zugang bislang selbst organisiert, weil das institutionelle Angebot fehlte. Sie wünschen sich aber genau diese institutionelle Einbettung. 40 Prozent der deutschen Krypto-Anleger werden derzeit nicht von einem Vermögensverwalter in diesem Segment betreut, wären dafür aber offen. 69 Prozent würden grundsätzlich mit einem Verwalter mit Krypto-Expertise zusammenarbeiten.
Bei der Vorstellung des Reports vor Fachjournalisten brachten die Studienautoren das deutsche Profil auf eine griffige Formel: selbstsicher, aber auf der Suche nach Rückversicherung. Dass diese Rückversicherung zunehmend gefragt ist, beobachtet CoinShares auch im eigenen Geschäft. Deutschland ist nach Unternehmensangaben der größte Markt des Hauses. Vor zwei Jahren hätten institutionelle Portfoliomanager Gespräche noch ins Café verlegt, um nicht mit Krypto in Verbindung gebracht zu werden. Heute werde man ins Haus eingeladen, und die Kollegen säßen mit am Tisch. Vermögensverwalter berichteten, ihre Kunden verlangten zumindest eine fundierte Einschätzung zu Bitcoin. Und anders als in früheren Zyklen habe die jüngste Korrektur um rund 40 Prozent die Gespräche nicht beendet, sondern die Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt aufgeworfen.
Auch bei Versicherern und Versorgungseinrichtungen bewegt sich etwas. Viele Portfoliomanager würden digitale Assets gern beimischen, benötigen dafür aber noch die Zustimmung ihrer Gremien. Als Zwischenschritt dienen nach Angaben von CoinShares Fonds auf Blockchain-Aktien. Regulatorisch hat sich zudem eine Tür geöffnet: Nach Angaben des Hauses dürfen in Luxemburg aufgelegte UCITS-Fonds seit März dieses Jahres in Krypto-ETPs investieren, was für viele in Deutschland vertriebene Fonds von Bedeutung ist.
Schweiz: Sorgfalt vor Tempo
Die Schweizer Befragten beschreibt der Report als „risikobewusste Akkumulierer“. Mit 69 Prozent ist der Anteil der Krypto-Anleger nahezu so hoch wie in Deutschland, die Haltung aber deutlich bedachter. Beim langfristigen Renditevertrauen liegen Aktien klar vorn (39 Prozent Erstnennungen gegenüber 18 Prozent für Krypto), dennoch zählen rund zwei Drittel Krypto zu ihren drei aussichtsreichsten Anlageklassen.
Die Schweiz ist der am stärksten institutionalisierte Markt der Studie: 67 Prozent bevorzugen intermediierte Zugänge wie Banken, Broker, ETPs oder Vermögensverwaltungsmandate. Nur 19 Prozent fühlen sich bei eigenständigen Entscheidungen „sehr wohl“. Das spiegelt ein gewachsenes Ökosystem wider: Rund 20 Schweizer Banken bieten nach Angaben des Reports Krypto-Dienstleistungen an, UBS hat im Januar 2026 Bitcoin- und Ethereum-Handel für ausgewählte Private-Banking-Kunden eingeführt, und das Crypto Valley in Zug zählt über 1.100 Organisationen.
Wie ernsthaft Schweizer Anleger an das Thema herangehen, zeigt die Motivstruktur: 53 Prozent nennen strategische Gründe, der höchste Wert aller Märkte. Selbst der automatische Informationsaustausch für Krypto-Assets, der die grenzüberschreitende Steuertransparenz verschärft, wird positiv aufgenommen: 58 Prozent sehen darin einen Grund, eher zu investieren. Regulierung wird hier als Qualitätsmerkmal verstanden.
Besonders deutlich ist in der Schweiz der Generationenunterschied. 87 Prozent der jüngeren Krypto-Anleger (18 bis 44 Jahre) wollen ihr Engagement 2026 ausbauen, bei den älteren sind es 69 Prozent. Diese Lücke von 18 Prozentpunkten ist bei der Ausbauabsicht die größte aller sieben Märkte. Umso bemerkenswerter: Bei der Sicherheit in eigenständigen Entscheidungen liegen ältere und jüngere Schweizer gleichauf, die Zurückhaltung ist also keine Frage des Alters, sondern der Anlagekultur.
Österreich: gleicher Rechtsrahmen, noch keine eigenen Daten
Österreich ist nicht Teil der Stichprobe. Regulatorisch teilt das Land den Rahmen mit Deutschland: Die europäische MiCA-Verordnung gilt unmittelbar, die Aufsicht liegt bei der FMA. Mit Bitpanda hat zudem einer der bekanntesten europäischen Krypto-Broker seinen Sitz in Wien. Ob österreichische Vermögende eher dem deutschen oder dem Schweizer Muster folgen, lässt sich aus der Studie nicht ableiten. Erste institutionelle Signale gibt es aber: Nach Angaben von CoinShares hat bereits eine österreichische Vorsorgeeinrichtung in Bitcoin investiert. Für die nächste Ausgabe des Reports hat das Haus angekündigt, Österreich einzubeziehen, ein für die DACH-Perspektive willkommener Schritt.
Der internationale Rahmen
Im Vergleich der sieben Märkte zeigt sich eine gemeinsame Grundhaltung mit unterschiedlicher Intensität.
Die USA, im Report die „Krypto-Hauptstadt“, sind der reifste und zugleich mutigste Markt. 40 Prozent nennen Krypto als langfristig renditestärkste Anlageklasse, 13 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 64 Prozent wollen ihr Engagement 2026 „äußerst wahrscheinlich“ ausbauen, ein Plus von 20 Punkten. Großbritannien zeigt mit 70 Prozent Krypto-Anlegern eine ähnlich hohe Durchdringung, gilt aber als Markt der „unbegleiteten Überzeugten“: hohe Begeisterung, vergleichsweise wenig professionelle Steuerung. In Frankreich halten 66 Prozent digitale Assets, mit 15 Prozent ist dort der Anteil reiner Bitcoin-Portfolios am höchsten. Italien (58 Prozent) setzt stärker auf Diversifikation und Vermögensverwalter: 40 Prozent halten den Großteil ihrer Krypto-Bestände über ihren Verwalter. Schweden (54 Prozent) ist der vorsichtigste Markt, doch selbst dort sieht eine deutliche Mehrheit Bitcoin als verlässlichen Wertspeicher.
Über alle Märkte hinweg unterstützen 79 Prozent der Befragten eine stärkere Regulierung digitaler Assets. Sowohl die US-amerikanische Gesetzgebung als auch MiCA erhöhen die Investitionsbereitschaft spürbar, wobei das US-Signal stärker wirkt. Bemerkenswert: Auch Schweizer und britische Anleger, für die MiCA nicht unmittelbar gilt, reagieren positiv auf die europäische Regulierung. Sie wird offenbar als Legitimation der gesamten Anlageklasse gelesen.
Was das für Vermögensverwalter bedeutet
Die vielleicht wichtigste Botschaft des Reports richtet sich an die Beraterseite. Eine im Juni veröffentlichte Befragung von CoinShares und Citywire unter 261 europäischen Wealth Managern hatte gezeigt, dass nur 13 Prozent der Berater digitale Assets aktiv empfehlen. Selbst unter jenen, deren Kunden gezielt nach Krypto fragen, sind es nach Angaben von CoinShares lediglich 20 Prozent. Zugleich vermuten die Berater Volatilität und Spekulation als Hauptgründe für die Zurückhaltung ihrer Kunden vermuten. Die Anlegerbefragung zeichnet ein anderes Bild: Kurzfristige Trader sind in allen Märkten die kleinste aktive Gruppe, langfristig orientierte „Believer“ und „Diversifier“ dominieren. Dasselbe Bild zeigt sich auf institutioneller Seite: In der vierteljährlichen Fondsmanager-Umfrage von CoinShares nannten 2021 noch 60 Prozent Spekulation als Grund für ein Engagement, heute sind es 15 Prozent. Diversifikation und der Zugang zur Blockchain-Technologie machen inzwischen rund 60 Prozent der Nennungen aus.
Zugleich räumen 88 Prozent der Befragten ein, nicht über ausreichendes Wissen für vollständig selbstsichere Entscheidungen zu verfügen. Vermögensverwalter sind in allen sieben Märkten die vertrauenswürdigste Informationsquelle. Erwartet wird von ihnen vor allem Substanz: Zugang zu sicheren, regulierten Anlagevehikeln sowie Allokations- und Risikostrategien. Eine nachweisbare eigene Erfahrung im Markt zählt dabei mehr als formale Zertifikate. Unter den Anlegern, die offen für eine Krypto-Beratung sind, wären 98 Prozent bereit, dafür zu bezahlen.
Hinzu kommt die demografische Perspektive. Jüngere Befragte allokieren in Deutschland 12 Prozent ihres Portfolios in digitale Assets, ältere 8 Prozent. Unter den Jüngeren suchen 45 Prozent aktiv einen Verwalter mit Krypto-Expertise, unter den Älteren 24 Prozent. Mit dem anstehenden Generationenwechsel bei großen Vermögen dürfte sich diese Nachfrage weiter verstärken.
Fazit
Der Affluent Investor Crypto Report 2026 liefert, was bislang fehlte: ein breites, länderübergreifendes Bild davon, wie aktive vermögende Anleger tatsächlich über digitale Assets denken. Für Deutschland und die Schweiz ist die Botschaft eindeutig. Die Kunden sind längst investiert, sie denken langfristig und makroökonomisch, und sie suchen einen kompetenten, institutionellen Partner. Wer als Vermögensverwalter diese Rolle annimmt, gewinnt nicht nur Mandate, sondern holt Vermögenswerte zurück in die Gesamtbetrachtung, die heute oft außerhalb des Beratungsblickfelds liegen.