Deutsche Banken halten Agentic AI für strategisch wichtig, setzen sie aber nur langsam um. Das zeigt die Umfrage ibi Banking Insights 2026 des Instituts ibi research an der Universität Regensburg. Für Asset Manager zählt das, weil sich der Zugang zum Endkunden verschieben könnte, über den Banken heute Fonds vertreiben.
Was die Umfrage zeigt
Laut Pressemitteilung von ibi research vom 28. Juli 2026 wurden 41 Fach- und Führungskräfte aus Banken und FinTechs befragt. Hinzu kamen 50 Vertreter von IT-Dienstleistern und Beratungen. Die Studie versteht sich als Branchenbarometer, eine repräsentative Erhebung ist sie nicht.
Das Bild ist zwiespältig. Die meisten Bankenvertreter blicken optimistisch auf das eigene Geschäft, erwarten aber weiter hohen Kostendruck. 79 Prozent rechnen in den nächsten zwei bis drei Jahren mit deutlich schärferem Wettbewerb (Stand Juli 2026). Die IT-Budgets fließen weiterhin vor allem in den laufenden Betrieb, also in „Run the Bank“.
Agentic AI an der Kundenschnittstelle
Agentic AI bezeichnet KI-Systeme, die mehrstufige Aufgaben selbstständig ausführen und innerhalb fester Grenzen entscheiden. Knapp 70 Prozent der befragten Bankexperten und Dienstleister erwarten, dass solche Systeme die Schnittstelle zwischen Kunde und Bank deutlich verändern. Entscheidend wird nach der Studie, Kunden- und Produktinformationen in Echtzeit bereitzustellen.
Die größte Hürde liegt im eigenen Haus. Als wichtigsten limitierenden Faktor nennen 68 Prozent der Bankenvertreter Regulierung und Governance, wie das IT-Finanzmagazin aus der Studienvorstellung berichtet. Datenqualität und veraltete Kernsysteme folgen. Einen fehlenden Business Case nennen die Befragten deutlich seltener, wie der Bank Blog zusammenfasst.
Die Zurückhaltung hat einen nachvollziehbaren Grund. Kreditwürdigkeitsprüfungen von Privatpersonen gelten nach der KI-Verordnung der EU als Hochrisiko-Anwendung mit Pflichten zu Dokumentation und menschlicher Aufsicht. Ein Agent, der Kreditentscheidungen vorbereitet, muss also nachvollziehbar und kontrollierbar arbeiten. Das kostet Zeit, und die Mittel dafür konkurrieren mit Pflichtprojekten im laufenden Betrieb.
Was das für Produktanbieter bedeutet
Auf neue Wettbewerber wollen die Institute überwiegend mit Kooperationen reagieren. Preiskampf und Übernahmen spielen in den Antworten kaum eine Rolle. Zugleich erwarten die Befragten laut Bank Blog, dass neue Anbieter auch im Wertpapier- und Depotgeschäft Marktanteile gewinnen. Hinzu kommt eine neue Abhängigkeit: Die Mehrheit rechnet damit, stärker auf KI- und Cloud-Anbieter angewiesen zu sein.
Nach Einschätzung der Redaktion verändert das den Fondsvertrieb. Wählen Kunden Produkte künftig über KI-Agenten aus, vergleicht die Maschine Kosten, Risikokennzahlen und Verfügbarkeit, bevor ein Berater ins Spiel kommt. Im Vorteil wären Anbieter, deren Produktdaten maschinenlesbar, aktuell und vollständig vorliegen. Die Studie selbst äußert sich zum Fondsvertrieb nicht.
Zu beobachten ist, wie schnell Banken klare Regeln für autonome Systeme festlegen. Dazu gehört, welche Entscheidungen ein Agent vorbereitet, welche er selbst trifft und wann ein Mitarbeiter eingreift. Offen bleibt, ob die Regulierung die Institute bremst oder ob gerade klare Leitplanken das Vertrauen schaffen, das Kunden bei Finanzentscheidungen erwarten.
* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.