Martin Janda verbindet Erfahrung aus der Bank-IT mit Blockchain-Technik. Der IT-Architekt entwickelt seit vielen Jahren Software für Finanzhäuser, nach eigenen Angaben unter anderem für Deutsche Bank und Commerzbank. Als externer Experte im Netzwerk des Frankfurt School Blockchain Center arbeitete er an Kryptoprojekten.
Nun hat Janda sein Whitepaper „Decentralized Finance und die Zukunft des Finanzwesens“ auf den Stand von August 2026 gebracht. Es zeigt einen Markt, der stark schwankt und sich zugleich verfestigt. Für Banken und Asset Manager zählt vor allem, wo die Regulierung schon greift und wo bisher nicht.
Stablecoins wiegen schwerer als DeFi selbst
Die Arbeit geht auf eine 2023 angenommene Diplomarbeit an der AKAD University zurück. Janda hat Marktdaten und Rechtsstand aktualisiert und seine früheren Prognosen am tatsächlichen Verlauf geprüft. Die Marktzahlen stammen von DeFiLlama und tragen jeweils einen Stichtag.
Der in DeFi-Protokollen gebundene Wert, der Total Value Locked (TVL), lag am 2. August 2026 bei 74,2 Milliarden US-Dollar. Im Oktober 2025 waren es noch rund 171 Milliarden. Weil der TVL in US-Dollar gemessen wird, spiegelt er auch die Kurse der hinterlegten Token wider. Das Kapital konzentriert sich zudem auf wenige Adressen: Das Staking-Protokoll Lido und die Kreditplattform Aave führen die Rangliste an.
Aufschlussreicher ist ein anderer Vergleich. Dollar-Stablecoins kommen laut Whitepaper auf einen Umlauf von rund 307 Milliarden US-Dollar, mehr als das Vierfache des TVL. Die Infrastruktur wird damit vor allem im Zahlungsverkehr genutzt, weniger im Kreditgeschäft der Protokolle.
Regulierung setzt an den Schnittstellen an
In der EU unterliegen E-Geld-Token und vermögenswertreferenzierte Token seit dem 30. Juni 2024 der MiCA-Verordnung. In den USA wurde der GENIUS Act am 18. Juli 2025 verkündet. Seine Pflichten greifen spätestens im Januar 2027 oder 120 Tage nach den finalen Ausführungsvorschriften, falls diese früher kommen.
Beide Regime adressieren Emittenten und Dienstleister. Die Protokolle selbst bewegen sich laut Janda weiter in einer Grauzone. Kredite ohne Bank, dezentrale Börsen und On-Chain-Vermögensverwaltung passen in keine bestehende Aufsichtskategorie.
Die EU-Kommission hat das Thema aufgegriffen. In ihrer Konsultation zur Überprüfung von MiCA fragt sie gezielt nach DeFi, Krypto-Lending und Staking. Die Frist lief bis zum 30. September 2026.
Welche Pfade sich für Institutionen abzeichnen
Janda skizziert zwei Szenarien. Im ersten liefern DeFi-Protokolle die technischen Bauteile, während Tokenisierung und regulierte Stablecoins die Infrastruktur der etablierten Häuser prägen. Im zweiten bleibt DeFi eine eigene Sphäre, die auf Verwahrungsfreiheit und Zensurresistenz setzt.
Nach Einschätzung der Redaktion spricht für Banken und Asset Manager derzeit mehr für den ersten Pfad. Tokenisierte Fonds wie BlackRocks BUIDL nutzen öffentliche Blockchains, ohne die Haftungsfragen offener Protokolle zu übernehmen. Wer DeFi direkt einsetzt, trägt dagegen Smart-Contract- und Governance-Risiken, die keine Aufsicht abfedert. Wie schnell sie übergreifen, zeigt TerraUSD: Der algorithmische Stablecoin verlor im Mai 2022 seine Dollar-Bindung und löste Kettenreaktionen im ganzen Markt aus.
Offen ist, welche Schlüsse die Kommission aus der Konsultation zieht. Reguliert sie die Protokolle selbst, muss sie klären, wer Adressat ist, wenn es keinen Betreiber gibt. Davon hängt ab, ob DeFi für regulierte Häuser zum nutzbaren Baustein wird.
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