Schroders hat am 4. November 2026 seine Emerging-Markets-Anleihestrategie als tokenisierten Fonds auf die Blockchain Solana gebracht. Umgesetzt hat das die Tokenisierungsplattform Centrifuge. Bemerkenswert ist vor allem die Anlageklasse. Tokenisierte Fonds waren bisher überwiegend Geldmarktprodukte, nun folgt ein aktiv gemanagtes Rentenmandat eines großen Asset Managers.
Was Schroders auf Solana bringt
Der Token mit dem Kürzel SISF bildet den Schroder International Selection Fund Emerging Market Bond ab. Die Strategie investiert in Staats- und Unternehmensanleihen sowie in Lokalwährungsanleihen der Schwellenländer. Laut der Ankündigung von Centrifuge ist es die erste Emission von Schroders auf Solana.
Anleger halten Anteile an einer Feeder-Struktur mit einer onchain geführten Anteilsklasse. Sie investiert in den bestehenden Fonds, die Anleihen selbst bleiben dort. Schroders verweist auf mehr als 50 Jahre Erfahrung mit Schwellenländeranleihen und über 40 Spezialisten im Team. Marita Mcginley, bei Schroders für Operations in Asien-Pazifik und digitale Assets zuständig, will die Expertise so einer neuen Investorengeneration zugänglich machen.
Vom Geldmarkt zur aktiven Rentenstrategie
Bisher dominieren tokenisierte Geldmarktfonds und kurzlaufende Staatsanleihen das Segment. Auch Schroders hat dort begonnen. Im August 2026 genehmigte die irische Zentralbank die tokenisierte Anteilsklasse SOAR eines US-Dollar-Geldmarktfonds, umgesetzt über Kinexys von J.P. Morgan.
Anil Sood, Strategiechef von Centrifuge, beschreibt Schwellenländeranleihen als grundlegend andere Quelle von Risiko und Ertrag. Solana zählt laut Centrifuge zu den größten Ökosystemen für tokenisierte reale Vermögenswerte. Nach Angaben der Plattform liegen dort mehr als 4 Milliarden US-Dollar (Stand: 4. November 2026).
Was sich für Investoren ändert
Für institutionelle Investoren ändert sich zunächst der Zugangsweg, das Risikoprofil bleibt gleich. Wer den Token hält, trägt Zins-, Kredit- und Währungsrisiken der Schwellenländer wie im klassischen Fonds. Neu sind digitale Abwicklung und Übertragbarkeit. Denkbar ist nach unserer Einschätzung auch der Einsatz als Sicherheit in digitalen Kapitalmärkten.
Offen ist vor allem die Liquidität. Schwellenländeranleihen sind weniger liquide als US-Staatsanleihen. Entscheidend wird sein, ob Zeichnung und Rückgabe an die Handelstage des Zielfonds gebunden bleiben. Vor einer Allokation sollten Investoren zudem klären, wer Anteile halten darf und wie Verwahrung und Bewertung geregelt sind.
Worauf Entscheider jetzt achten
Die Feeder-Lösung zeigt einen pragmatischen Weg für Fondsgesellschaften. Der Zielfonds bleibt unverändert, nur der Vertriebsweg wandert auf die Blockchain. Das senkt die Hürde für Häuser, die Tokenisierung erst erproben wollen. Zugleich hängt dieser Vertriebsweg von Plattformen wie Centrifuge ab, über die die Token ausgegeben werden.
Auch in Europa rückt das Thema in die Kernabläufe der Kapitalanlage. Die EZB will einen kleinen Teil ihrer Eigenmittel in tokenisierte Wertpapiere anlegen, abgewickelt über die Eurosystem-Plattform Pontes. Damit wächst der Druck auf Asset Manager, eigene Antworten zu entwickeln.
Zu beobachten ist, ob weitere Blockchains folgen und wie viel Kapital der Token anzieht. Centrifuge bezeichnet Solana ausdrücklich als ersten Startpunkt. Ob aktive Rentenstrategien onchain ein eigenes Segment bilden, zeigen die Zuflüsse der kommenden Quartale.
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