Die Zahl der Schweizer Privatbanken ist 2025 von 85 auf 80 gesunken. Ende Mai 2026 zählte KPMG noch 79 Institute. Damit ist eingetreten, was die Berater vor einem Jahr erwartet hatten. Für Asset Manager und Family Offices im DACH-Raum verändert sich die Landschaft ihrer Vertriebspartner und Depotbanken spürbar.
Die Prognose von KPMG ist eingetroffen
In der Studie „Clarity on Swiss Private Banks“ 2025 rechnete KPMG für Ende 2025 mit rund 80 Privatbanken. Die aktuelle Ausgabe vom Juni 2026 bestätigt diesen Wert. Anfang 2026 kam die Zwangsliquidation der MBaer Merchant Bank hinzu. Im Jahr 2010 zählte KPMG noch 156 Institute.
Getrieben wird die Konsolidierung vor allem von den acht größten Häusern, darunter Julius Bär, Pictet und UBP. Laut der Studienseite von KPMG prägten 2025 Übernahmen wie die der Banque Thaler und von Cité Gestion den Markt. Zugleich wächst das Interesse ausländischer Banken, in der Schweiz Fuß zu fassen.
Warum mittelgroße Häuser unter Druck stehen
Die Privatbanken verwalteten 2025 mit rund 3,5 Billionen Franken so viel Vermögen wie nie zuvor. KPMG führt die starken Zuflüsse vor allem auf den Ruf der Schweiz als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten zurück. Profitabler wurde die Branche dadurch nicht, weil die Kosten schneller stiegen als die Erträge. Das Kosten-Ertrags-Verhältnis kletterte im Median von 75,6 auf 78,2 Prozent (Stand: Geschäftsjahr 2025).
Am stärksten traf es die mittelgroßen Institute mit 10 bis 100 Milliarden Franken Kundenvermögen. Ihr Nettogewinn brach laut KPMG um rund 46 Prozent ein. Nach unserer Einschätzung fehlen ihnen die Skalenvorteile der Großen ebenso wie die schlanken Strukturen spezialisierter Boutiquen. Auch künstliche Intelligenz entlastet vorerst kaum: Drei Viertel der befragten Banken erwarten in den nächsten zwölf Monaten höchstens geringe Einsparungen.
Was das für Asset Manager und Family Offices bedeutet
Nach unserer Einschätzung verdichtet sich für Fondsanbieter der Zugang zum Schweizer Private Banking. Wenn große Häuser kleinere übernehmen, wandern Kundenbücher auf deren Plattformen und in deren Fondsselektion. Wer bisher über mehrere mittelgroße Banken vertrieben hat, verhandelt künftig mit weniger, aber mächtigeren Gatekeepern. Das stärkt deren Position bei Plattformgebühren und Produktauswahl.
Für Family Offices und institutionelle Kunden kleinerer Häuser wird die Stabilität der Bankbeziehung zur Planungsfrage. Eine Übernahme bringt oft neue Ansprechpartner, andere Konditionen und eine veränderte Produktpalette. Das spricht aus unserer Sicht dafür, Übernahmeszenarien bei der Auswahl von Depotbanken mitzudenken.
Was bis 2030 zu beobachten ist
Studienleiter Christian Hintermann erwartet, dass die Zahl der Privatbanken bis 2030 deutlich unter 70 fällt. Betroffen seien vor allem kleinere Institute, die auch für ausländische Anbieter attraktiv sind. Aus unserer Sicht öffnet sich damit auch für Banken aus Deutschland und Österreich ein Fenster für Zukäufe. Entscheidend wird, ob die mittelgroßen Häuser ihre Kostenbasis rechtzeitig senken oder selbst zum Übernahmeziel werden.
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