Thursday 29-Sep-2022
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Mission accomplished

OpinionsMission accomplished

In der Taktischen Asset Allocation wird weiterhin eine vorsichtige Positionierung eingenommen, Aktien bleiben mit einem Schritt untergewichtet, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Diese Entscheidung fußt zunächst auf den jüngsten Entwicklungen in Sachen COVID-19, wobei die durchaus Besorgnis erregenden Entwicklungen der Corona-Zahlen vom Markt momentan weitgehend ignoriert werden. Darüber hinaus ist in den nächsten Wochen im Zuge der Berichtssaison für die Ergebnisse des abgelaufenen zweiten Quartals mit einer Welle an negativen Unternehmensmeldungen zu rechen. Dass es weit verbreitet zu signifikanten Rückgängen bei den Unternehmensgewinnen gekommen ist, sollte nicht weiter überraschen. Nach der starken Erholung der Aktienkurse der letzten Wochen und Monate ist der Markt jedoch korrekturanfällig geworden und die Quartalsberichte könnten als Auslöser für einen Rückschlag herhalten.

Der positive Grundtenor am Markt war in den letzten Monaten sehr stark von den geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen gestützt. Was die Finanzmärkte betrifft, war es vor allem die Geldpolitik, die zu der Erholung geführt hat. Mit Aktienmärkten und riskanten Segmenten des Anleihenmarktes, die ihre Verluste großteils egalisiert haben, gilt für die Notenbanken jetzt einmal „Mission accomplished“ (=„Mission erfüllt“) und die Motivation für weitere Maßnahmen dürfte bis auf Weiteres gering sein. Somit tritt dieser zuletzt wesentliche Unterstützungsfaktor in den Hintergrund, zumal die Finanzmärkte ja bekanntlich weniger auf den Status quo achten und stärker von der Veränderung beeinflusst werden. Erst wenn die Märkte neuerlich unter Druck kommen sollten, etwa weil der Süden der USA die steigenden Corona-Fallzahlen nicht in den Griff bekommt, würden die Notenbanken wohl wieder einschreiten.

Aktien: Als wäre nichts gewesen?

Anfang März wurde hier die Vermutung publiziert, dass Ende Juni und zumindest bis Jahresende die Aktienmärkte wieder höher stehen könnten als Ende Februar. Dann folgte der Absturz im März. Dennoch, der aggregierte Weltindex (MSCI) steht nun wieder dort, manche Märkte somit auch darüber!

Es liegt aber keine generelle „V-förmige“ Erholung vor, zumindest nicht in allen Regionen und Sektoren. Das Tempo der Erholung war beeindruckend, einige Sektoren wie Technologie oder Pharma haben die Krise sehr gut überstanden, der Index der Technologiebörse NASDAQ notiert nahe dem Allzeithoch! Der Dow Jones, der vor allem auf den „traditionellen“ Unternehmen basiert, hinkt dadurch entsprechend nach. Andere Regionen wie Lateinamerika, obwohl zuletzt wieder etwas Boden gut gemacht, oder Sektoren wie Finanz oder Energie, sind noch weiter davon entfernt und haben noch einen längeren Weg der Erholung vor sich. Auch der ATX leidet an seinem sehr unvorteilhaften Branchenmix.

Aktien USA und Europa: Es dominiert die Zuversicht

Die rasant negative Entwicklung bei der durchschnittlichen Gewinnmarge von Unternehmen aus dem S&P500-Aktienindex verdeutlicht einmal mehr die Dramatik der Folgewirkungen durch das Coronavirus. Für viele Unternehmen sind die Umsätze de facto von einer Woche auf die nächste markant weggebrochen, ein Großteil der Kosten ist jedoch zunächst geblieben, was die Gewinnspanne entsprechend deutlich nach unten drückt.

Auch wenn das Ausgangsniveau vor Ausbruch der Corona-Krise in den USA relativ solide war und viele Unternehmen immer wieder mit sehr rascher Anpassungsfähigkeit positiv überraschen, bis die Gewinne in Relation zum Umsatz wieder anspringen wird es dauern. Am schlechtesten stehen die Gewinnerwartungen – auch in Europa – für die Sektoren Energie, Grundstoffe und Industrie. Wir sehen auch in Anbetracht der zu erwartenden Verbesserung der Fundamentalfaktoren kurzfristig zu viel Zuversicht eingepreist und sind daher mit einem Schritt Aktienuntergewichtung weiterhin vorsichtig positioniert.

Emerging Markets: Unterschiedliche regionale Entwicklung

Durch die Emerging Markets geht ein Riss, der am besten von der Gewinnentwicklung veranschaulicht wird: In Asien kommt es zu einem leichten Rückgang der Gewinnentwicklung, wobei hingegen in Lateinamerika und Europa dramatische Gewinneinbrüche zu verzeichnen sind. Auch bei der Entwicklung der Corona-Krise ist dieser regionale Unterschied zu erkennen, bei dem die äußerst ruhige Entwicklung in Asien hervorzuheben ist. Daher kann die wirtschaftliche Erholung hier sehr stark voranschreiten. Das ist generell positiv, da Asien der weitaus bedeutendste Teil im Emerging-Market-Aktienindex ist.