Stablecoin-Rendite in der Selbstverwahrung: CoinShares bringt regulierte Strategien in die Safe-Wallet

Digital Investing and CryptoStablecoin-Rendite in der Selbstverwahrung: CoinShares bringt regulierte Strategien in die Safe-Wallet

CoinShares macht seine onchain verwalteten Stablecoin-Strategien für Nutzer der Multisig-Wallet Safe{Wallet} zugänglich. Nach Angaben des Unternehmens stellt Safe Labs, die kommerzielle Tochter der Safe Ecosystem Foundation mit Sitz in Berlin, dafür die Kontoebene bereit, während Railnet die Vault-Infrastruktur liefert. Die Vermögenswerte sollen dabei in der Selbstverwahrung der Nutzer bleiben. Adressiert werden Corporate Treasuries, Stiftungen, Family Offices, Onchain-Organisationen und erfahrene Krypto-Investoren, also Akteure, die Stablecoin-Bestände halten und bisher zwischen zwei unbefriedigenden Optionen wählen mussten: die Bestände ertraglos liegen zu lassen oder sie einem Verwahrer beziehungsweise einzelnen DeFi-Protokollen anzuvertrauen.

Die Größenordnung des Problems ist erheblich, auch wenn belastbare Marktzahlen dazu rar sind. Laszlo Szabo, Mitgründer und CEO des Infrastrukturanbieters Kiln, der Railnet entwickelt hat, schätzte in einem Interview auf der CoinShares-Plattform The Node, dass rund 90 Prozent der Stablecoins keinen Ertrag erwirtschaften. Das ist eine Anbieterschätzung, keine unabhängige Erhebung, sie beschreibt aber den Kern der Geschäftsidee: Wallets, Börsen und Verwahrer sitzen auf großen Stablecoin-Salden, die sie nicht monetarisieren.

Was an der Meldung neu ist

Rendite in der Safe-Wallet gibt es bereits. Safe bietet über einen „Earn“-Bereich Zugang zu Kreditvaults auf dem Protokoll Morpho, die Kiln technisch einbindet und die von den DeFi-Risikospezialisten Gauntlet und Steakhouse kuratiert werden; so beschreiben es Kiln und Morpho. Kiln erhebt dafür laut Safe-Hilfeseite eine Gebühr von 10 Prozent auf die Erträge. Im Februar 2026 kam ein Euro-Vault für den Stablecoin EUR CoinVertible von Société Générale-Forge hinzu, ebenfalls kuratiert von Steakhouse.

Die Neuerung liegt deshalb weniger im Zugang zu Rendite als in der Frage, wer sie verantwortet. An die Stelle eines DeFi-nativen Kurators, der Parameter für einen einzelnen Kreditmarkt setzt, tritt ein beaufsichtigter Vermögensverwalter mit einer Mehrquellenstrategie. CoinShares hatte diese Strategie im März 2026 angekündigt. Sie verteilt Kapital auf sechs Ertragsquellen: DeFi-Kreditprotokolle, besicherte institutionelle Kreditvergabe, Erträge aus tokenisierten Anleihefonds und Anleihe-ETFs sowie deltaneutrale Basisstrategien. Verwaltet wird sie von CoinShares Asset Management, das nach eigenen Angaben unter AIFMD und MiFID für Finanzinstrumente sowie unter MiCA für Kryptowerte zugelassen ist. CEO Jean-Marie Mognetti bezeichnete Onchain damals als neuen Vertriebsweg und ausdrücklich nicht als weiteres Kryptoprodukt.

Die jetzt angekündigte Integration ist die konsequente Umsetzung dieser Lesart. Die Wallet wird zum Vertriebskanal für einen Asset Manager, ähnlich wie eine Fondsplattform, nur dass Verwahrung und Verfügungsgewalt beim Anleger bleiben.

Die Arbeitsteilung zwischen den drei Partnern

Safe ist Infrastruktur für Smart Accounts, also Wallets, deren Verfügungsregeln, etwa die Zahl der nötigen Unterschriften, in einem Smart Contract festgelegt sind. Die Safe Ecosystem Foundation bezifferte das in Safe-Konten gesicherte Vermögen im Februar 2026 auf mehr als 60 Milliarden US-Dollar. Für institutionelle Halter ist Safe damit eine der verbreitetsten Formen der Selbstverwahrung.

Railnet ist die Schicht dazwischen. Kiln beschreibt das System in seiner Einführung als offenen Standard, der Ein- und Auszahlungen, mehrtägige Abwicklungsfristen und Compliance-Schritte wie die KYC-Prüfung in Smart Contracts abbildet, sodass ein Asset Manager liquide DeFi-Positionen und weniger liquide tokenisierte Realwerte in einem Vehikel steuern kann. Nach Angaben von Kiln übernimmt Railnet dabei den gesamten Lebenszyklus der Strategie einschließlich NAV-Berechnung und Reporting. Szabo beschreibt einen Vault als Struktur, in der ein Asset Manager Kundenkapital einsetzt, ohne es selbst zu verwahren.

CoinShares schließlich trifft die Allokations- und Risikoentscheidungen. Damit verteilt sich, was in einem klassischen Fonds bei Kapitalverwaltungsgesellschaft, Verwahrstelle und Transferstelle liegt, auf drei Unternehmen und eine Kette von Smart Contracts.

Regulatorische Einordnung

In der EU berührt das Modell eine Grenze, die MiCA bewusst gezogen hat. Nach Artikel 50 der Verordnung (EU) 2023/1114 dürfen weder Emittenten von E-Geld-Token noch Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen den Inhabern Zinsen auf diese Token gewähren. Erwägungsgrund 68 begründet das mit dem Ziel, die Nutzung von Stablecoins als Wertaufbewahrungsmittel zu begrenzen. Ein Stablecoin selbst trägt in der EU also keine Rendite.

Die Integration setzt an anderer Stelle an. Nach unserer Einschätzung entsteht der Ertrag nicht aus dem Halten des Tokens, sondern aus dem Einsatz der Stablecoins in einer Anlagestrategie. Ganz außerhalb von MiCA liegt diese Konstruktion trotzdem nicht: Nach Artikel 50 Absatz 3 gilt jede Vergütung als Zins, die an die Haltedauer eines E-Geld-Tokens anknüpft, auch wenn Dritte sie gewähren. Wo die Grenze zwischen einer unzulässigen Haltevergütung und dem Ertrag einer Anlagestrategie verläuft, ist eine Auslegungsfrage, die Anbieter und Aufsicht klären müssen. Für den Verwalter selbst gilt zudem das Regime, unter dem er steht, hier AIFMD und MiFID. Zwei weitere Punkte aus MiCA sind für die Risikobeurteilung relevant: Anbieter von Hardware und Software für selbstverwaltete Wallets fallen laut Erwägungsgrund 83 nicht in den Anwendungsbereich der Verordnung, und die Kreditvergabe mit Kryptowerten regelt MiCA laut Erwägungsgrund 94 ausdrücklich nicht. Der Anlegerschutz hängt in diesem Aufbau also an der Aufsicht über den Asset Manager und an der vertraglichen und technischen Ausgestaltung der Vaults, nicht an einer Regulierung der Wallet.

In den USA bewegt sich die Diskussion in eine ähnliche Richtung. Die SEC hat am 1. Oktober 2026 einen Vorschlag zur Verwahrung von Kryptowerten durch registrierte Anlageberater und Fonds vorgelegt. Laut Factsheet der SEC dürften Berater Kryptowerte unter Auflagen selbst verwahren, wenn sie feststellen, dass kein zugelassener Verwahrer verfügbar ist. Die Kommentierungsfrist beträgt 60 Tage nach Veröffentlichung im Federal Register. Für europäische Treasuries hat das keine unmittelbare Wirkung, es zeigt aber, dass Selbstverwahrung regulatorisch zunehmend als institutionelle Option behandelt wird.

Was Entscheider prüfen sollten

Für Treasury-Verantwortliche, Stiftungen und Family Offices verschiebt sich die Due Diligence von der Wallet zur Strategie. Der erste Punkt ist die Rechtsposition des Anlegers: ob er Anteile an einem Fonds im Sinne der AIFMD erwirbt, Token eines Vaults hält oder lediglich einen Smart Contract nutzt, entscheidet über Anlegerrechte, Zugangsvoraussetzungen und Bilanzierung.

Der zweite Punkt ist die Liquidität. Die Strategie kombiniert DeFi-Positionen, die sich kurzfristig auflösen lassen, mit tokenisierten Anleihefonds und besicherten Krediten, für die Rücknahmefristen gelten. Railnet bildet solche Fristen nach Angaben von Szabo technisch ab, was die Inkongruenz sichtbar macht, sie aber nicht beseitigt. Wer Stablecoins als operative Liquidität hält, muss wissen, wie schnell er unter Stress tatsächlich wieder über sie verfügt.

Der dritte Punkt sind die Risiken entlang der Kette. Smart-Contract-Risiken bestehen auf der Ebene von Safe, von Railnet und von jedem angebundenen Protokoll. Hinzu kommen das Gegenparteirisiko in der besicherten Kreditvergabe und das Verhalten von Basisstrategien in Phasen, in denen Finanzierungssätze kippen. CoinShares betont die Diversifikation über unabhängige Risikoprämien; ob diese Prämien in einer Krypto-Stressphase unabhängig bleiben, ist eine offene empirische Frage. Schließlich die Kosten: Bei Safe Earn fallen bereits Gebühren der Infrastruktur an, und mit einem aktiven Verwalter kommt eine weitere Ebene hinzu. Die Gebührenstruktur des neuen Angebots ist bislang nicht öffentlich.

Für Asset Manager ist die Meldung aus einem anderen Grund interessant. Sie zeigt einen Vertriebsweg, der an Plattformen und Verwahrbanken vorbeiführt und direkt dort ansetzt, wo Kapital bereits liegt. Wenn sich dieses Modell durchsetzt, konkurrieren Vermögensverwalter künftig auch um Regalplätze in Wallets, und die Frage, welche Strategien dort angeboten werden, entscheidet sich zwischen Wallet-Betreiber, Infrastrukturanbieter und Verwalter.

Offene Fragen

Mehrere Punkte, die für eine Allokationsentscheidung wesentlich sind, lassen sich aus den öffentlich verfügbaren Informationen noch nicht beantworten: welche Stablecoins und Blockchains unterstützt werden, ob der Zugang auf professionelle Anleger beschränkt ist, wie Gebühren und Rücknahmebedingungen ausgestaltet sind und welche Erfahrungen die seit März laufende Strategie bisher gemacht hat. Ebenso offen ist, wie Abschlussprüfer Vault-Positionen in der Treasury-Bilanz einordnen. Die Integration ist damit vor allem ein Hinweis darauf, wo sich onchain verwaltetes Vermögen künftig sammeln könnte: neben Produkten, die Anleger auf Plattformen kaufen, zunehmend auch in Strategien, die dort angeboten werden, wo institutionelle Halter ihre digitalen Bestände ohnehin selbst verwahren. Ob daraus eine tragfähige Anlageklasse für Treasury-Liquidität wird, hängt davon ab, ob die Anbieter Transparenz über Risiken und Liquidität in einer Form liefern, die einer institutionellen Prüfung standhält. csa

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.