Wednesday 28-Sep-2022
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Beeindruckende Rentenrally

OpinionsBeeindruckende Rentenrally

Die Notenbanken haben die Wende in der aktuellen Geldpolitik zuletzt bekräftigt und angekündigt, dass wohl heuer und darüber hinaus keine Zinserhöhungen zu erwarten sind. Die Rally hat sich folglich auch im März fortgesetzt. Die Aktienmärkten ziehen also an, wobei sich dort die Fundamentaldaten teilweise abschwächen. Vor allem die Rentenmärkte steigen, allen voran High Yield und Emerging Markets. Die Investoren flüchten vor den aktuell niedrigen Staatsanleihe-Renditen in dieses höhere Marktrisiko.

Denn auch die stets als sicherer Hafen angesehenen deutschen Bundesanleihen konnten weiter zulegen. Mittlerweile werden entlang der gesamte Zinskurve bis zu den zehnjährigen Bundesanleihen negative Renditen gekauft.

In Europa sticht Großbritannien besonders hervor, zu­letzt auch von einem stärkeren Pfund unterstützt. Der aktuelle Schwung konnte auch Italien, das Sorgenkind der Währungsunion, etwas nach oben mitziehen.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management’s märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt: Deutsche Bund-Renditen in negativem Terrain

Notenbankchef Mario Draghi gestand kürzlich ein, dass die EZB Ende vergangenen Jahres von einem zu positiven Ausblick ausgegangen war und sich die Situation mittlerweile schwächer präsentiert. Der Rentenmarkt selbst preist im Jahr 2019 in der Euro­zone keine Zinsanhebung mehr ein. Eine nachhaltige Aufwärtsbewegung der Inflationsrate dürfte nicht pas­sieren. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundes­anleihen notiert erstmals seit Oktober 2016 wieder in negativem Terrain. Ausschlaggebend dafür sind schwache Konjunkturindikatoren für die Eurozone und vor allem für Deutschland. Die Angst vor einer flächendeckenden Rezession in der Eurozone feiert somit ein fulminantes Comeback.

Die US-­Fed hat ihr Inflationsziel hingegen bereits erreicht (Verbraucherpreise stiegen dort zuletzt um 1,9 % p. a.) und der Leitzins dürfte sein neutrales Niveau erreicht haben. Wir halten es jedoch für durch­aus möglich, dass sich – mit zunehmend schwächeren US­Wirtschaftsdaten – die Stimmen für Zinssenkun- gen in den kommenden Monaten mehren könnten.

Staats- und Unternehmensanleihen: Ins Risiko gezwungen

Bei bonitätsstarken Staatsanleihen sind die Renditen im März weiter gesunken und die Zinskurven „risikoarmer“ Staatsanleihen (USA, Euro­Kern) verflachten sich wei­ter. In den USA wurde die Zinsdifferenz zwischen zehn­-jährigen US-­Staatsanleihen und 3­-Monats-­Papieren sogar negativ. Die Suche nach Rendite dürfte sich fort­setzen, dabei werden lange Laufzeiten präferiert. Eine Besserung der Datenlage erwarten wir vorerst nicht und begegnen dieser Situation in erster Linie durch Positio­nierungen auf den Zinskurven.

Unternehmensanleihen bleiben trotz schwachem Un­ternehmens­ und Konjunkturausblick gefragt. Dies gilt umso mehr in einem Umfeld extrem niedriger Staatsan­leiherenditen, Anleger werden „in das Risiko gezwun­gen“. Eine weitere Bestätigung dieser risikofreundlichen Stimmung ergibt sich daraus, dass sich Euro­-Unterneh­mensanleihen der Peripherie besser behaupten konnten als solche aus Kerneuropa.

Wir bleiben bei unserer Übergewichtung von Euro­-Qualitätsunternehmensanleihen gegenüber High­-Yield-­Anleihen.

Emerging Markets: Etwas Schwung verloren

Der Anstieg der Emerging­-Market-­Aktien hat zuletzt etwas an Schwung verloren, ist aber seit Jahresbeginn weiterhin sehr erfreulich. Die Kehrtwende der US­Fed hat hier einen großen Anteil. Nicht vergessen sollte man aber auf die chinesische Notenbank, die die Liquidi­tätsschleusen tatsächlich weit geöffnet hat. Auf Seiten der Fundamentaldaten gibt es nach wie vor eher negative Nachrichten. Hier stellt sich zunehmend die Frage, wie lange sich der Markt nach dem Prinzip Hoffnung verhält und ob die Fundamentaldaten weiter beharrlich ignoriert werden können.

Die Risikoprämien von Hartwährungsanleihen haben sich nach einer starken Rally seit Jahresende 2018 im letzten Monat seitwärts entwickelt und damit praktisch die Entwicklung des US­-High­-Yield-­Marktes eins zu eins nachvollzogen.

Ein deutlich geringeres Welthandelsvolumen und damit verbunden schlechter werdende Emerging-Market-­Konjunkturindikatoren belasten die Emerging­-Market-Anleihen derzeit jedoch kaum. Die Abwärtsrisiken überwie­gen unserer Meinung nach auf kurze Sicht. Wir haben derzeit keine Position in Emerging-­Market-­Anleihen.