Wednesday 28-Sep-2022
9.1 C
Frankfurt am Main

Prognosen – interessant und irrelevant!

OpinionsPrognosen – interessant und irrelevant!

Der Jahresbeginn ist traditionell die Zeit der Ausblicke für das angebrochene Jahr. Banken und Fondsgesell­ schaften versorgen ihre Kunden mit Prognosen zu Aktien, Anleihen, Währungen und anderen Marktsegmenten. Heuer fallen die meisten Voraussagen positiv aus, vor allem was die Aktienmärkte betrifft. Dafür gibt es gute Gründe. Die wirtschaftliche Entwicklung ist weiterhin moderat positiv. Ein robuster Arbeitsmarkt unterstützt Konsum und Dienstleistungen. Der Industriebereich dürfte sich nach dem Abschwung der letzten Monate stabilisie­ren. Unterdessen bleibt die Inflation niedrig. Das erlaubt den Notenbanken, ihre expansive Geldpolitik fortzusetzen, im Klartext: negative Zinsen und Anleihenkäufe in der Eurozone, negative Realzinsen in den USA.

Die Unternehmen verdienen gut, wobei die Zuwachsraten im Einklang mit der Gesamtwirtschaft nur moderat ausfallen werden. In Summe ist dies ein gutes Umfeld für Aktien, auch wenn kurzfristige Korrekturen auftreten werden. Die aktuelle Markthektik um das Coronavirus ist ein solcher Moment.

Was könnte abseits davon noch schief gehen? Oft wird hier das Thema Inflation genannt. Wenn diese signifikant anstiege, wäre das außerordentlich negativ für viele Marktsegmente. Staatsanleihen ohnehin, aber vermutlich auch andere Anleihensegmente und Aktien würden unter die Räder kommen. Andere führen politische Risiken ins Treffen. Diesbezügliche Befürchtungen sind aber übertrieben, weil politische Börsen bekanntlich von kurzer Dauer sind. Schließlich wird bisweilen auch von einer kommenden Rezession gesprochen, immerhin sei der aktuelle Wachstumszyklus der längste der Geschichte und der Abschwung eine Frage der Zeit. Das stimmt grundsätzlich, aber aktuell belegen das die Daten nicht. Übrigens: Fondsanleger sollten sich ohnehin nicht an solchen Prognosen halten. Erstens ist die sinnvolle Behaltedauer eines Fonds viel länger als ein Jahr und zweitens können Prognosen ja auch falsch sein. Siehe 2019, das in dieser Form niemand erwartet hat.

Die Lage rund um die Corona-­Epidemie halten wir natürlich unter Beobachtung, haben aber aktuell noch keinen Grund zu wirklicher Sorge.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management’s märkte | unter uns finden Sie links als PDF. 

Globale Konjunktur: Geht es wieder aufwärts, oder…

Momentan heißt es: konjunkturelle Stabilisierung und insbesondere bei den Frühindikatoren auch Verbesserung im asiatischen Raum. Außerdem bleiben die Daten aus dem Arbeits-­ und Immobilienmarkt sowie aus dem Konsumbereich auf solidem Niveau. Einer dieser Indikatoren, der für eine Fortsetzung der seit nunmehr zehn Jahren andauernden positiven Konjunkturphase spricht, ist das immer noch gute Beschäftigungswachstum in den USA. Und – damit eng verbunden – das für die binnenorientierte US-Wirtschaft bedeut­ same Konsumentenvertrauen sowie die Immobilien­ Nachfrage, bei der sich ebenfalls nach wie vor positive Tendenzen zeigen.

Auch die Politik der Notenbanken sollte zunächst expansiv bleiben. Zuletzt hat sich daher erfreulicherweise die generelle Datenlage, gemessen am Economic Surprise Index, aufgehellt. Frühindikatoren, wie etwa die Managerumfragen im Industriebereich, insbesondere in China, aber auch in Europa, haben sich verbessert oder zumindest stabilisiert. Der Einfluss der Corona-Epidemie wird sich noch zeigen.

Rohstoffe und Währungen: Unruhiger Start im Jänner

Die konjunkturgetriebene Erholung der Rohstoffmärkte im Dezember konnte sich Anfang Jänner noch fortsetzen, brach jedoch mit der Markthektik um den Virusausbruch zusammen. Das Eis war doch noch zu dünn, die Energiepreise gaben über 10 % nach und notieren wieder nahe den Tiefständen des Vorjahres. Die Industriemetalle (Kupfer!) folgten fast ohne Verzögerung dieser Trendwende. Das sind konjunktursensible Werte und ein Nachfrageausfall aus China hinterlässt Spuren.

Lediglich der schon im Vorjahr feste Goldpreis hat sich in diesem Szenario erwartungsgemäß gut entwickelt, andere Edelmetalle wie Silber und Palladium, die ja auch von der Industrie nachgefragt werden, hingegen nicht.

Es scheint, als hätte das Coronavirus stärkere – negative – Auswirkung auf den Euro als auf den chinesischen Yuan. Dollar, Yen, Pfund und natürlich der Schweizer Franken, gerne als sichere Häfen gesehen, konnten krisenbedingt Ende Jänner zule­ gen, einige Emerging Markets verloren hingegen.