Thursday 29-Sep-2022
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Rentenmärkte weiterhin auf Verliererseite

OpinionsRentenmärkte weiterhin auf Verliererseite

Nach dem heftigen Renditeanstieg im September schwächte sich das Tempo des Anstiegs im Oktober zwar etwas ab – aber auch das reichte für den Großteil der Anleihemärkte aus, um einen weiteren Monat mit (leicht) negativer Wertentwicklung zu verbuchen. Selbst der Renditeaufschlag von Unternehmensanleihen genügte nicht, um die Kursrückgänge zu kompensieren, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Einzig GBP-Anleihen erreichten durch eine deutliche Kurserholung des britischen Pfunds ein signifikantes Monatsplus. In Summe sind die Staatsanleiherenditen in den Industriestaaten damit wieder auf den Jahreshochs vom Frühjahr. Zieht man eine erste Zwischenbilanz für 2021, sieht man das klassische Muster einer starken Konjunkturerholung: Stärkste Performance bei High Yield (parallel zum Aktienmarkt) dank stark fallender Risikoprämien. Schlechteste (stark negative) Performance bei etablierten Staatsanleihen aufgrund steigender Marktrenditen – mit gut gerateten Unternehmensanleihen im Mittelfeld. Auf Euro-Basis stechen auch noch USD-Anleihen hervor, die aufgrund des im Jahresverlauf aufwertenden US-Dollars eine Extraperformance erzielten – auf USD-Basis ist auch dort die Staatsanleiheperformance tief negativ.

Hohe Inflationsraten: US-Notenbank reagiert in Kürze

Die Inflationsraten steigen weltweit weiterhin an. Das gilt insbesondere für Europa, wo man mit zuletzt 4,1 % p.a. dabei ist, zu den USA (die letzten Monate praktisch unverändert bei über 5 %) aufzuschließen. Hauptverantwortlich für den Anstieg sind der starke Rohstoffpreisanstieg und Lieferengpässe. Beides Faktoren, die für einen raschen Inflationsrückgang im Laufe von 2022 sorgen werden. Allein schon, weil die Rohstoffpreise dann nicht noch einmal so stark steigen werden. Für Europa ist deshalb bis Ende 2022 ein Rückgang unter 2 % realistisch, weshalb die EZB zu Recht keinen Grund für baldige Zinsanhebungen sieht.

In den USA dürfte es der Inflationsrückgang 2022 dagegen nicht mehr nachhaltig unter das 2 %-Ziel schaffen: Der wachsende Lohndruck könnte dort die Inflationsrate hartnäckig über diesem Wert halten. Dementsprechend bereitet sich die US-Notenbank auch schon auf ein Zurückfahren der Anleihekäufe im ersten Halbjahr 2022 vor – gefolgt von einem Zinsanhebungszyklus, vielleicht schon ab Herbst 2022.

Unternehmensanleihen bleiben übergewichtet gegenüber Staatsanleihen

Die Anleihemärkte stehen weiterhin im Zeichen des absehbaren Endes der Anleihekäufe und darauffolgender Zinsanhebungen der US-Notenbank. Resultat: An den Anleihemärkten sehen wir zunehmend höhere Renditen und flachere Zinskurven.

Nach dem starken Anstieg seit August preisen Anleiherenditen allerdings inzwischen recht aggressive Zinserwartungen ein und könnten kurzfristig eine Verschnaufpause einlegen, weshalb wir unsere kurzfristige Untergewichtung von Anleihen gegenüber Geldmarkt vorerst schließen.

Mittelfristig hat der Renditeaufwärtstrend aber insbesondere in den USA noch viel Luft nach oben: Innerhalb des Anleihesegments bleiben wir deshalb untergewichtet in risikoarmen Staatsanleihen (insbesondere US-Staatsanleihen) zugunsten einer starken Übergewichtung in Unternehmensanleihen (insbesondere auch High Yield). Geschlossen haben wir unsere Übergewichtung von EM-Hartwährungsanleihen.


Weitere Details finden Sie in der November-Ausgabe von Raiffeisen Capital Management’s “märkte | unter uns”.